Geschichte der Musikkapelle Bieringen:

In einer Zeit, in der die Wunden des 1. Weltkrieges noch nicht vernarbt waren, die Not der Auswirkungen der Inflation noch die Schatten der Währungs- und Wirtschaftskrise vorauswarf, da wurde im Jahre 1925 die Musikkapelle Bieringen gegründet. Einige beherzte Bürger unserer Gemeinde hatten den Mut, nach mehreren Besprechungen eine Musikkapelle ins Leben zu rufen. Zuvor gab es etwas Derartiges noch nicht. Es fehlte nicht an Idealismus und auch nicht an der Liebe zur Musik. Man hat mit dieser Entscheidung Neuland betreten, welches zudem noch finanzielle Auswirkungen erbracht hat.

Bezirkskriegertag1933

Die Männer der neu gegründeten Musikkapelle haben nach ihrem Entschluss einen Antrag an die Gemeinde um Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten für die Anschaffung von Instrumenten gestellt, die mit insgesamt RM 1.000,-- für die  Erstausstattung belegt waren. Unter Vorsitz des damaligen Schultheißen Schuhmacher verhandelte der Gemeinderat am 2. August 1925 über diesen Antrag und bewilligte einen Zuschuss von 300 RM unter der Bedingung, dass im Falle einer Auflösung des Vereins oder dem Verkauf der Instrumente dieser Betrag an die Gemeindekasse zurückzubezahlen ist. Von einem ehemaligen jüdischen Mitbürger, Kommerzion-Rat Wolf aus Stuttgart, wurde der Kapelle eine Spende in Höhe 200 RM zugewendet. Der Rest musste von den Beteiligten selbst aufgebracht werden. Dreihundert Reichsmark nahm der damalige  Vorstand Karl Walz als Darlehen von der Spar- und Darlehenskasse Bieringen auf und stellte diesen Betrag zur Finanzierung der Instrumente zur Verfügung. Trotzdem war die für jeden Musiker verbleibende finanzielle Belastung für die damalige Zeit noch sehr beachtlich.
Die Instrumente wurden von dem Musikhaus Kretschmann von Marktneukirchen gekauft.

Die ersten Mitglieder der Musikkapelle Bieringen waren:
  • Karl Walz, Bass
  • Josef Host, 2. Tenorhorn
  • Markus Leuz, Melodiehorn
  • Konrad Schuhmacher, 1. Trompete
  • Karl Gramling, 1. Trompete
  • Karl Leidner, Es-Horn
  • Eugen Host, 2. Trompete
  • Franz Wacker, Klarinette
  • Anton Karl, 2. Trompete
  • Julius Belz, Kapellmeister
  • Josef Suleder, Kassier

Musikkapelle 1948

Anton Gramling
Willi Nied
Paul Schuhmacher
Karl Brümmer
Hugo Mark
Josef Reuther
Otmar Suleder
Rafael Helmlinger
Karl Kessler

Die Jungmusiker mussten 2 Jahre lang mit dem Fahrrad zu den Proben bei Kapellmeister Julius Belz nach Winzenhofen fahren. In den folgenden Jahren wurden die Musikproben in Bieringen und zwar abwechselnd bei verschiedenen Musikern in deren Wohnungen abgehalten. Je Musikprobe mussten die Mitglieder 2 RM an den Kapellmeister entrichten.

Bei Festlichkeiten der bürgerlichen und kirchlichen Gemeinde konnte die Kapelle ihr Können unter Beweis stellen und diesen Veranstaltungen einen würdigen Rahmen geben. Sie war ein Faktor des kulturellen Lebens der Gemeinde und ihre Leistungen wurden auch darüber hinaus geschätzt.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde die aktive Arbeit innerhalb der Musikkapelle eingestellt. Die Instrumente wurden durch den damaligen Bürgermeister unter Hinweis auf den mit Vorbehalt an die Musikkapelle gewährten Zuschuss von 300 RM, welcher noch nicht zurückbezahlt war, sichergestellt und im Rathaus aufbewahrt.

Der zwischenzeitlich bereits als Dirigent tätige Konrad Schuhmacher hat im Einvernehmen mit dem Amtsverweser Josef Noe die Instrumente rechtzeitig vor der Besetzung durch die Amerikaner vom Rathaus geholt und in Sicherheit gebracht. Nach Kriegsende, als sich das Leben wieder einigermaßen normalisiert hatte, dachte man wieder ans Musizieren. Mit den Instrumenten war ein gewisser Grundstock vorhanden. Auch unter den vielen Heimatvertriebenen waren Freunde der Blasmusik. Besonders freute man sich, dass sich talentierte Männer, die Lust und Freude an der Musik hatten, bereiterklärten der Musikkapelle beizutreten. Seit der Gründung waren folgende Neuzugänge zu verzeichnen:

Einweihung der Jagsttalhalle

Konrad Schuhmacher war als Kapellmeister stets bemüht einen Klangkörper zu schaffen,der allen Freunden der Blasmusik Freude bereitet. Auch nach 1954, als er aus gesundheitlichen Gründen den Taktstock aus den Händen gab, blieb er immer mit der Musik und der Kapelle verbunden.

Sein Nachfolger wurde Anton Filz. Dieser war kein Neuling in der Musik, denn er spielte schon in seiner ehemaligen Heimat Jugoslawien in einer Jugendkapelle sowie später in einer Tanzkapelle. In dieser Zeit wurde die Kapelle sehr verjüngt. Das musikalische Leistungsangebot wurde jedoch unter der reichen Erfahrung und dem großen Können des bis 1967 tätigen Kapellmeisters Anton Filz erheblich gesteigert.

Seine Nachfolge übernahm Herbert Knapp, unter dessen Stabführung das Niveau der Kapelle weiter gestiegen ist und sehr viele begeisterte aktive Musiker der Kapelle beitraten.

1975 konnte die Musikkapelle auf Ihr 50-jähriges Jubiläum zurückblicken. Man ließ es sich damals nicht nehmen, 5 Tage zu feiern. Der Höhepunkt war unter anderem der Auftritt der populären „Rocky-Boys“. Da die Mitgliederzahl der Kapelle ständig zunahm, die Verantwortung immer größer wurde, beschloss man 1975 dem Volksmusikerbund beizutreten.

Gruppenbild 1975

Um das Niveau der Kapelle weiter zu steigern, veranstaltete die Musikkapelle im Jahre 1977 den 1. Musikabend. Aufgrund des großen Erfolges, entschied man sich, jedes Jahr einen Konzertabend zu gestalten. 1978 folgte die erste gemeinsame Faschingsveranstaltung mit dem DJK/TSV Bieringen. Auch an die Kinder wurde gedacht, die Musikkapelle ist seit 1982 an der Mitgestaltung des Kinderfaschings beteiligt.

Nach dem Erfolg von 1975 fand 1980 das 2. Musikfest statt. Da seitens der Bevölkerung solche Feste regen Zuspruch fanden, wurde beschlossen, diese Feste im 5-Jahresrhythmus auszutragen.

Auch die Geselligkeit sollte in der Musikkapelle nicht zu kurz kommen. Jährlich stattfindende Grillabende wurden ins Leben gerufen und erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit. Die Jahresausflüge, bisher 1 Tagesfahrten, wurden auf 2 Tage erweitert, da die nahe gelegenen Ausflugsziele alle bereist worden waren.

Das Vatertagswandern hat ebenso eine lange Tradition. So findet am Morgen des Christi Himmelfahrt`s Tages die Öschprozession statt. Doch nicht nur hier ist die Musikkapelle auf den Beinen, seit 1982 wird auch am Nachmittag mit „Groß und Klein“ der Kapelle gewandert. Die Aktivitäten der Musikkapelle nahmen nun ständig zu. Das Spektrum erweiterte sich zusehends. Über Festmusik, Konzertantes bis hin zur Umrahmung von Hochzeiten sind wir ein fester Bestandteil der Gemeinde. Dazu zählt auch der Gemeindenachmittag an Fronleichnam, den wir seit 1984 veranstalten. Das 3. Musikfest im Jahre 1985 sollte noch lange in Erinnerung bleiben. Keine Geringeren als „Gitti und Erika“, ein Gesangsduo bekannt aus Funk und Fernsehen konnte man verpflichten. Das Zelt war bis zum letzten Platz gefüllt.

Gruppenbild 1985

1986 war ein wichtiges Jahr im Hinblick auf die Verjüngung in der Musikkapelle. 18 Jungen und Mädchen konnten nach intensiver Ausbildung in die Kapelle übernommen werden, so dass die Gesamtzahl von 55 Musiker und Musikerinnen erreicht wurde. Leider konnten wir nur kurze Zeit mit einer solch großen Anzahl spielen, da durch Beruf, Schule und privater Interessen sich die Zahl der Mitglieder wieder rasch verringerte.

Im Jahr 1989 gratulierte die Musikkapelle dem ältesten Bürger der Gemeinde Schöntal, Herrn Otto Kohler, zu seinem 100-sten Geburtstag mit einem Ständchen. Herr Kohler erfreute sich trotz seines hohen Alters noch bester Gesundheit.

Um die Gemeinnützigkeit zu erlangen und aufgrund einer besseren Absicherung wurde 1989 beschlossen, einen eingetragenen Verein zu gründen, der ausschließlich aus aktiven Musikerinnen und Musikern besteht.

Wie beliebt die Musikkapelle auch über die Grenzen von Bieringen hinaus ist, zeigte sich an der Anzahl der anwesenden Gastvereine. 21 Blaskapellen wirkten am Festzug zum 65-jährigen Jubiläum, das vom 14. bis 17.Juni 1990 stattfand, mit.

Marschieren

Aufgrund Platzmangels war es erforderlich nach einer größeren Räumlichkeit zu suchen. Nach einigen Verhandlungen mit der Gemeinde, konnte schließlich im Jahre 1991 in Eigenleistung ein Musikraum erstellt werden, der künftig für Jugendausbildung, Registerproben und Ausschusssitzungen Platz bot. Auch für unsere Gerätschaften hatten wir nun endlich einen Raum gefunden, den wir dann ein Jahr später einweihen konnten.

Dirigentenwechsel! Nach 25-jähriger erfolgreicher Stabführung übergab Herbert Knapp die Leitung der Musikkapelle an seinen jungen Nachfolger Joachim Bayer. Herbert Knapp setzte durch seine Arbeit einen Meilenstein in der Entwicklung der Musikkapelle Bieringen. Im Laufe seiner Tätigkeit als Dirigent bildete er seit 1967 weit über hundert Musiker und Musikerinnen aus.

Gemeindenachmittag

Im Jahr 1992 hatte auch das „Herbstfest“ seinen Ursprung. Die Idee dazu entstand notgedrungen, da es damals keine Gaststätten in Bieringen mehr gab. Das Herbstfest fand bei der Bevölkerung großen Anklang und ist nun ein fester Bestandteil in unserer Ortschaft.

Verschiedene Aktivitäten sind notwendig um die vielen Ausgaben in der Kapelle, zu finanzieren. Erst dadurch war es uns möglich, 1993 neue Uniformen anzuschaffen.

1994 durften wir bei der Primizfeier von Michael Schuhmacher, einem ehemaligen Musiker aus unseren Reihen, spielen und somit der Veranstaltung einen würdigen Rahmen verleihen.

Der 18. Musikabend im Januar 1994 war für uns ein besonderer Anlass, da wir den Erlös den Geschädigten des Jahrhunderthochwasers spendeten.

70 Jahre Musikkapelle Bieringen im Jahr 1995 war bezüglich des Festabends ein musikalischer Leckerbissen für alle Freunde der Blasmusik. Die „Original Burgenlandkapelle“ unter Leitung von Robert Payer war bei uns zu Gast.

Im Rahmen der Feierlichkeiten „25 Jahre Gemeinde Schöntal“ im Jahr 1997 wirkten  wir an der Entstehung der CD „So klingt`s in Schöntal“ mit. Ein eigens für uns komponierter Marsch mit dem Titel „ Musikalische Grüße aus Bieringen ist auf der CD zu hören.

Kirchenkonzert

Im gleichen Jahr veranstalteten wir auch unser erstes Kirchenkonzert zusammen mit dem Männergesangverein Eintracht und dem Kirchenchor Cäcilia. Anlass war der Abschluss der Kircheninnenrenovation und der Altarweihe.


Heute im Jahr 2000 zählt die Musikkapelle Bieringen ca. 50 Musikerinnen und Musiker. Das Bestreben des Vereins wird weiterhin sein, intensiv den Nachwuchs zu fördern, das musikalische Niveau zu steigern und somit den Fortbestand der Kapelle zu sichern.

Die Musikkapelle im Jahr 2000

Gruppenbild 2000

Flöten:
Daniela Mütsch, Elke Mildenberger, Christine Adler, Lukas Eichhorn

Klarinetten:
Heinz Kohler, Edith Deubel, Michaela Götzinger, Alexandra Scholz, Silke Leidner, Anita Stahl, Andrea Schönbein, Elena Brümmer, Kerstin Eichhorn, Franziska Kurz, Tobias Birkert

Saxophon:
Alexander Gramlich, Manuela Schönbein, Laura Stegmeier, Herbert Knapp, Simone Engelhardt, Daniel Gödecke, Konstanze Schwab

Trompeten:
Roger Kühlwein, Andreas Hofer, Christoph Eichhorn, Matthias Fluhrer, Manfred Schäfer

Flügelhörner:
Hugo Mütsch, Herbert Schönbein, Christian Stahl, Christian Frank, Kilian Schmierer

Hörner:
Heiko Groß, Bernhard Stahl, Daniel Stahl

Tenorhorn und Bariton:
Bruno Kilb, Stefan Stahl, Gerhard Wacker, Thomas Fricke, Richard Reuther, Roland Kilian, Thomas Eichhorn, Markus Knoll, Andreas Volk

Posaune:
Andreas Retzbach, Georg Gödecke, Andreas Gödecke

Tuba:
Alexander Stahl, Thomas Wolpert

Schlagzeug:
Alois Hofer, Rainer Hofer, Steffen Mütsch, Simon Stahl

Andere Aktivitäten

Dirigenten und Vorstände seit Vereinsgründung

Dirigenten:

Julius Belz 1925 - 1929
Konrad Schuhmacher 1929 - 1945
Anton Filz 1954 - 1967
Herbert Knapp 1967 - 1992
Joachim Bayer 1989 - 2001 (Vizedirigent 1990 - 1992 u. 2001 - heute)
Ottmar Bergdolt 2001 - 2011
Joachim Bayer 2011
Stefan Bender 2011 - 2017
Jürgen Krieger 2017 - heute


Vorstände:

Hugo Mark 1974 - 1978
Robert Host 1978 - 1979
Manfred Groß 1979 - 1983
Hugo Mütsch 1983 - 1989
Heinz Kohler 1989 - 1993
Hugo Mütsch 1993 - 2003
Heinz Kohler 2003 - 2007
Christian Stahl 2007 - heute