Presseberichte:

10.01.2018 Musikabend 2018: "Neuigkeiten Neuer Dirigent, alte Stärke
11.01.2017 Musikabend 2017: "Ohrwürmer" Vielfältige Ohrwürmer
26.09.2016 Herbstfest 2016 Fesche Madln und schneidige Baum
12.01.2016 Musikabend 2016: "Musik ist grenzenlos" Von New York bis Mittelerde
16.06.2015 Jubiläumskonzert 90 Jahre MKB Zeitreise im Blasmusikformat
03.01.2015 Musikabend 2015: "Auftakt zu 90 Jahre MKB" Keine leichte Nuss
07.01.2014 Musikabend 2014: "... von Ravel bis Sinatra" Gut, besser, Bieringen
07.01.2013 Musikabend 2013: "Aus Liebe zur Musik" Liebe in Dur und Moll
24.04.2012 Frühlingskonzert 2012 Am Anfang gleich mal Gänsehaut
04.01.2012 Portrait Stefan Bender Ein Profi, der seine Wurzeln pflegt
10.01.2011 Musikabend 2011 Zum Abschied geht sogar die Sonne auf / Der ideale Zeitpunkt zum aufhören
13.01.2010 Musikabend 2010 Start ins Jubiläumsjahr gelungen
07.04.2009 Konzert mit Hohenloher Highlander Pipes and Drums Gefühlvoll durch Mark und Bein
07.01.2009 Musikabend 2009 Zeitreise durch die Musikgeschichte
07.01.2008 Musikabend 2008 Die mit Herzblut spielen
08.01.2007 Musikabend 2007 Konzertante Blasmusik mit Niveau
01.06.2005 Musikfest 2005 Hergolshäuser Musikanten blasen volles Rohr böhmisch
30.05.2005 Musikfest 2005 So ein Abend dürfte nie vergeh'n
30.05.2005 Musikfest 2005 Alle fünf Jahre wollen wir's machen
28.05.2005 Musikfest 2005 Hoch überm Jagsttal vergeht die Zeit wie im Flug
27.05.2005 Musikfest 2005 Den Fass-Schlägen folgen noch viele Paukenschläge
21.05.2005 Musikfest 2005 Fagott und Oboe fehlen noch für Wettbewerb
11.01.2005 Musikabend 2005 Ein Rendezvous mit Blasmusik am Abend

10. Januar 2018 / Hohenloher Zeitung

Neuer Dirigent, alte Stärke

Schöntal - "Neuigkeiten" lautet das Motto des Musikabends der Musikkapelle Bieringen - Potpurri von Popmusik bis Polka

Von Torsten Büchele

Bei der Musikkapelle Bieringen gibt es Neuigkeiten: Dirigent Stefan Bender wird Stadtkapellmeister in Künzelsau. Daher legt der 29-jährige sein Amt nieder. Beim Musikabend am Samstag in der Jagsttalhalle Bieringen übergab Bender vor rund 350 Gästen den Taktstock an den 50-jährigen Herbolzheimer Jürgen Krieger.
In seinem Abschiedsstück, der Alvamar-Ouvertüre von James Barnes, "geht es so rasant zur Sache wie in seinem Dirigat", erklärt Vorsitzender Christian Stahl. Das luftige Werk schwankt zwischen fröhlich und feierlich. Eine ansteigende Melodie zum Eingang öffnet den Blick nach vorn. Punktierungen und Triolen besorgen heitere Einwürfe. Feierliche Akkorde erinnern an Glockenschläge und leiten zum langsamen Zwischenteil über, der mit anmutigen und lang phrasierten Melodien erhaben wirkt. Zusammen mit der Alvamar-Ouvertüre, die schließlich zu den Klängen des Anfangs zurückkehrt, endet das Dirigat Stefan Benders in einem freudigen Finale mit donnerndem Applaus.

Ofenschlupfer Sechs Jahre hatte Bender in Bieringen den Taktstock geschwungen. Unter dem Berufsmusiker sei es gelungen, alle Register zu besetzen und mit den "Ofenschlupfern" eine Jugendabteilung aufzustellen, von der immer mehr Musiker in den aktiven Bereich übergehen, lobt Stahl. Bender habe die Musiker dazu angeleitet, selbst hinzuhören, was sie spielen, um noch genauer auf Feinheiten von Artikulation und Phrasierung zu achten. Auch das für Blaskapellen der Mittelstufe erstaunlich breite Repertoire von symphonischen Stücken, Film- und Unterhaltungsmusik, Märschen und Polkas - bisweilen sogar auf Oberstufen-Niveau - sei ein Verdienst Benders. "Mir was immer wichtig, dass die unterschiedlichen Genres stiltreu aufgeführt werden", ergänzt der Scheidende.
Mit Nachfolger Jürgen Krieger üben die Bieringer seit drei Monaten. Er beginnt seine Amtszeit mit der "Blue Ridge Saga" von James Swearingen. Die Komposition preist die Geschichte und Schönheit des Blue-Ridge-Gebirges in Amerika. Danach folgt ein "Feuerwerk für Musikliebhaber", wie Ansager Stahl verspricht: die Musik zum Ötzi-Film "Man in the Ice". Eine Schlüsselrolle spielen die Pfeifen und Klarinetten, die die Stimmung der jeweiligen Situation vorfühlen, bevor das große Blech miteinsetzt: die großartige Aussicht auf das Hochgebirge, die lebensfeindliche Gletscherlandschaft, die Jagd auf ein Mammut und die Hinterlistigkeit von Ötzis Feind, der den arglosen Eismann hinterrücks erschlägt. Mit wüsten Schlägen betont die Pauke die Attacke.

Kapelle

Jürgen Krieger hält den Taktstock fest im Griff. Für die Vorbereitung auf den Musikabend mit der Musikkapelle Bieringen hatte er drei Monate Zeit. Das Ergebnis kann sich hören lassen.
Foto: Torsten Büchele

Gegen die Steinzeit-Welt der Alpen setzt "Mazama" von Jay Chattaway musikalische Kontraste. Beim Tanz der Indianer im Crater-Lake- Nationalpark empfiehlt Paukenspieler Steffen Mutsch seinen Kollegen Ohrschutz: Kräftige Trommeln mit präzisen Akzenten lassen die Kultur der Ureinwohner wiederauferstehen. Trompeter und Posaunisten hauchen ohne einen Ton anzuschlagen den Wind der Berge, das Glissando der Querflöten imitiert das Pfeifen der musizierenden Indianer. Eine Mannschaftsleistung der Bieringer Musikkapelle, die dieses Mal eher aufs volle Orchester denn auf herausstechende Soloparts setzt.

Drachen Die Filmmusik "How to Train Your Dragon" entführt die Zuhörer in die Welt von Wikingern und Drachen, ein Abba-Medley aus "Super Trouper", "Chiquitita", "I do" und "Waterloo" interpretiert den Gute-Laune-Pop der 70er noch bunter und pfiffiger.
Den Abschluss bildet klassische Blasmusik: die Märsche "Salemonia" und "Jagdgeschwader Richthofen" sowie die Glücksbringer-Polka von Roland Kohler, eine schwungvolle und herzerfrischende Polka mit Ohrwurm-Melodie und garantiertem Glücksgefühl.
Für die Zukunft hat Neudirigent Krieger bereits Pläne: "Ich setze mehr auf das Symphonische, das bringt Qualität in die Musik." Das nächste Konzert gehe aber Richtung Musical: "Wir machen die ganze Facette durch."


Zur Person
Jürgen Krieger, Jahrgang 1967, spielt selbst Schlagzeug und Saxofon und dirigierte zuvor die Stadtkapelle in Bad Wimpfen. Derzeit absolviert er ein Aufbaustudium im Dirigieren mit dem Abschluss Master. Der 50-Jährige stammt aus Neudenau-Herbolzheim an der Jagst und ist nach wie vor im dortigen Musikverein aktiv. Krieger ist verheiratet, hat drei Kinder und arbeitet bei Daimler in Sindelfingen. büc


11. Januar 2017 / Hohenloher Zeitung

Vielfältige Ohrwürmer

Schöntal - Musikkapelle Bieringen präsentiert in der gut besuchten Jagsttalhalle ein unterhaltsames musikalisches Programm

Von Fritz Rehm

Mit kraftvollen ersten Takten eröffnet die verjüngte Musikkapelle Bieringen ihren Musikabend 2017. Die Noten von "Appalachian Overture" sind aufgelegt und diese moderne Blasorchesterliteratur erfordert von Musikern und Dirigent von Beginn an hohe Konzentration. Schon im Verlauf dieses Stückes zeigt sich, dass die Integration von zehn Jungmusikern, den Ofenschlupfern, in die Musikkapelle gelungen ist.
Die Wechsel von schnell zu langsam und wieder schnell und ein melodiöses Trompetensolo im langsamen Mittelteil des Stückes entführt in die Weiten des wilden Westens und lässt an die Helden der Prärie erinnern. Mit einem klanggewaltigen Schlussteil endet das Werk, bei dem die jungen und älteren Musiker Dynamik und Rhythmuswechsel so bravurös meistern, dass mit dem Verklingen des letzten Taktes der erste begeisterte Applaus aufbraust.

Gesangsduo

Das Gesangsduo der Musikkapelle Bieringen, Stefanie Brümmer und Joachim Bayer erntet besonderen Beifall.
Fotos: Fritz Rehm

Auftakt Der Vereinsvorsitzende Christian Stahl strahlt, sichtlich über den gelungenen Auftakt des Konzertes erfreut, und ebenso über den Besuch einer ansehnlichen Delegation des Partnervereins aus Bieringen Neckar. "Ohrwürmer" lautet das Motto des Musikabends und der Vorsitzende erklärt, dass damit nicht kleine Insekten gemeint sind, sondern Musikstücke, die sich unbeirrt in der Erinnerung festsetzen. Mit "Sa Musika" und dem 90er Jahre Hit von Meat Loaf: "I'd do anything for love" machen die Musiker auch postwendend dem Motto alle Ehre.

Moderation Wechselnde Moderatoren aus den Reihen der Kapelle erzählen interessante Geschichten zu den einzelnen Ohrwürmern. So bringt Lisa Schmierer charmant und witzig die Ouvertüre "Leichte Kavallerie" in Beziehung zum Fußball. Wenn dieses Musikstück beim Torerfolg eines bestimmten Vereines derzeit häufiger im Stadion gespielt werde, profitieren auch die Bieringer Musiker davon, weil sie die Melodie dann häufiger zu hören bekommen - was auch im Sinne des Dirigenten sei.
Beeindruckend, wie die Kapelle das Werk dann zu Gehör bringt. Da ist jedes Register einzeln und im Zusammenspiel gefordert. Die Einsätze kommen klar und präzise und auch das Solo der Klarinette kommt gefühlvoll zur Geltung. Riesenbeifall und Bravorufe sind die Anerkennung für die musikalische Leistung.
Ebenbürtig gespielt wirken auch die Melodien aus Filmen von Disney. Die passenden Fotos, auf die Bühnenrückwand projiziert, unterstreichen den akustischen Hörgenuss. Auch die Liebhaber von Märschen und Polkas kommen zum Zuge. Schmissig ist der Beginn von "Seeteufel-Graf-Luckner-Marsch", bei dem auch die Lyra nicht fehlen darf. Die Konzertbesucher folgen klatschend dem Marsch-Rhythmus der Kapelle. Auch dem Walzerzauber "An der schönen blauen Donau" kann sich niemand entziehen. Das Gesangsduo Stefanie Brümmer und Joachim Bayer singt gefühlvoll und harmonisch aufeinander abgestimmt "Musikanten mit Herz" und "Du musst bleiben".

Kapelle

Die Jungmusiker Ofenschlupfer spielen zum ersten Mal beim gesamten Konzert in der Musikkapelle mit und bewältigen die große Herausforderung mit Bravour.

Spezies Ohrwürmer besonderer Spezies sind im Medley von Udo Jürgens zu entdecken, und auch bei den bekannten Liedern des Medleys "Zeit für Volksmusik" stimmen viele Zuhörer schon leise in die bekannten Melodien mit ein. Schließlich kommt Gänsehaut pur auf, denn Gäste und Musiker singen gemeinsam a cappella "Kein schöner Land". Mit donnerndem Applaus bedankt sich das Publikum und erst nach vehement geforderten Zugaben darf die Kapelle die Bühne der Jagsttalhalle verlassen.

Zitate:

"Ich bin beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Kapelle. Bei manchen Musikstücken hatte ich Gänsehautfeeling" - Schöntals Bürgermeisterin Patrizia Filz

"Unser Musikkamerad Lorenz Truffner hat die Polka 'Du musst bleiben' gespendet. Als Vertiefung der Freundschaft mit Bieringen Jagst" - Herrmann Blöchle, Vorsitzender beim befreundeten Musikverein Bieringen Neckar

"Die größte Leistung des heutigen Abends war, wie gut die Jugend ins Orchester integriert ist und dabei gleichbleibend den hochwertigen Orchesterklang beibehalten kann." - Martin Dasing, Kreisverbandsvorsitzender Hohenlohe im Blasmusikverband Baden-Württemberg

"Ich bin jedes Jahr hier und immer begeistert. Mir gefällt die Ausgewogenheit von Jung und Alt und die Qualität der Kapelle." - Herbert Göker, Sindeldorf


26. September 2016 / Hohenloher Zeitung

Fesche Madln und schneidige Buam

Schöntal - Bieringer feiern zünftig beim Herbstfest der Musikkapelle

Von Erna Hauber

Nicht nur auf der Wiesn oder dem Wasen, sondern auch in der Bieringer Jagsttalhalle herrschte am Wochenende Volksfeststimmung beim vierten bayerischen Abend der Blaskapelle Bieringen. Die Musikerinnen und Musiker spielten in farbenfrohen Dirndln und Lederhosen auf und viele der zahlreichen Gäste haben sich ebenfalls in zünftigen Zwirn gehüllt.

Böhmischer Traum im Publikum

Volksfeststimmung in Bieringen: In der Jagsttalhalle feiern hunderte Gäste mit der Blaskapelle einen zünftig-bayerischen Abend mit Bierkrug schubsen und jeder Menge Musik.
Foto: Erna Hauber

Spannend wurde es vor dem Bieranstich. Ob die Lederschürze dem Bieringer Ortsvorsteher Karl-Heinz passen würde? Die hat Klaus Wunderlich von der Herbsthäuser Bierbrauerei nämlich extra für Kurz angefertigt. Dafür sei im vergangenen Jahr Maß genommen worden, betonte Wunderlich.
Genau passten dann jedenfalls die beiden Schläge, mit denen Kurz den Zapfhahn ins Fass und das Freibier zum fließen brachte. Die Musikkapelle unter der Leitung von Achim Bayer stimmte mit "Gablonzer Perlen", dem Kufsteiner Lied und der "Löffelpolka" - mit dem Löffelsolo von Rainer Hofer - auf den Abend ein. Heinz Kohler begrüßte auch die Jungs der A-Jugend der Spielgemeinschaft Schöntal, die einen 5:2-Sieg gegen Pfedelbach zu feiern hatte.
Kohler und Bayer führten gemeinsam durch den Abend und warfen sich gegenseitig die Pointen zu. Als Gaststar wurde "Rudi aus der Schweiz" begrüßt, dessen Alphorn sich weigerte, Töne von sich zu geben. Bei genauerem Hinsehen verbarg sich ein Unterhemd im Rohr, woran wohl Rudi's Frau nicht unschuldig war.

Lacher Mit "Swiss Lady", dem Siegertitel der Pepe-Lienhard-Band beim Grand Prix d'Eurovision 1977 kam das Alphorn-Solo von Roger Kühlwein dann voll zur Geltung und die Lacher und den Applaus auf ihrer Seite. Mit Heinz Kohler und Achim Bayer, sowie Stefanie Brümmer und Andreas Retzbach haben die Bieringer Musiker auch gesanglich einiges zu bieten. Ob "Atemlos" von Helene Fischer, "Im Wagen vor mir", oder "Rosi" von der Spider Murphy Gang, allein oder im Duett, der Funke sprang über und brachte den Saal zum Beben.

Wettkampf Wer hat sich schon einmal im horizontalen Bierkästenstapeln versucht? Vier stramme Jungs aus Bieringen traten gegen ein Viererteam aus Aschhausen an: Unter Jubel und Beifall schafften es beide Gruppen, eine waagrechte Reihe aus 21 Bierkästen zu viert in der Luft zu halten. Beim anschließenden "Kufladenwefen" von der Bühne aus in einen Korb im Publikum, hielten die Gäste ihre Gläser fest und die Spannung stieg. Die Entscheidung fiel beim dritten Wettkampf, dem "Bierkrug schubsen", bei dem der Krug möglichst nahe an der Tischkante zum Stehen kommen soll. Die gute Vorlage von 4,4 Zentimetern Abstand zum Rand aus dem Bieringer Lager wurde mit viel Talent, Glück oder Zufall mit minus 3,3 Zentimetern Überstand über die Tischkante überboten. Somit ging der Sieg in diesem Jahr an die Aschhäuser.


Historie
Die Musikkapelle Bieringen wurde 1925 mit elf Mitgliedern gegründet. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Arbeit unterbrochen, die Instrumente im Rathaus aufbewahrt, bis das Musizieren wieder stattfinden konnte. 1977 gab es den ersten Musikabend. 1978 folgte die erste Faschingsveranstaltung mit dem DJK/TSV Bieringen. Im Jahr 1992 fand das erste Herbstfest statt. red


12. Januar 2016 / Hohenloher Zeitung

Von New York bis Mittelerde

Musikkapelle Bieringen präsentierte in der Jagsttalhalle gelungenen Genremix

Von Olga Lechmann

Schöntal Musik ist grenzenlos - unter diesem Motto hat die Musikkapelle Bieringen in die Jagsttalhalle geladen. Dass diese Grenzenlosigkeit nicht nur auf die Musik, sondern auch auf die Begeisterung der Musiker zutreffe, betonte Vereinsvorstand Christian Stahl, der den Abend eröffnete. Und er sollte recht behalten.

Musikkapelle Bieringen

Gut 50 Mann und Frau stark riss die Blaskapelle Bieringen ihr Publikum in der Jagsttalhalle bei einer schwungvollen Reise durch die Welt der Musik mit - und wurde mit wahren Beifallstürmen belohnt.
Foto: Olga Lechmann

Ofenschlupfer In diesem Jahr eröffnen die Ofenschlupfer - also der Nachwuchs der Kapelle - den bereits 40. Musikabend. Das besondere an ihrem Auftritt: Sie spielen zum ersten Mal vor solch einem großen Publikum - denn es sind sage und schreibe mehr als 300 Zuhörer gekommen. Die zehn Mädchen und Jungen werden bei ihrer Premiere von zwei älteren Mitgliedern der Musikkapelle unterstützt.

Unter der Leitung des gerade einmal 28-jährigen Stefan Bender präsentieren sie populäre Stücke wie "Little Brown Jug", "Tom Dooley" und "SMS-Polka". Bevor die Ofenschlupfer letzteres spielen, muss der junge Dirigent allerdings anmerken, dass der Titel nicht mehr ganz zeitgemäß sei und es heute eigentlich "WhatsApp Polka" heißen müsse. Mit einem Schmunzeln genießen die Besucher die Musik von Saxophon, Es-Horn, Trompete, Bariton und Posaune. Nach sechs Stücken und einer Zugabe verabschieden sich die jungen Musiker von der Bühne. "Wir könnten auch noch viel länger spielen", sagt Stefan Bender, "aber dann sind die anderen beleidigt." Die Ofenschlupfer meistern ihre Musikabend-Premiere mit Bravour - Feuertaufe bestanden.

Mit demselben Enthusiasmus legten auch die "Großen" los. Vorher kündigt Flügelhornist Christian Stahl ihr erstes Stück "New York Overture" zur allgemeinen Erheiterung mit den Anweisungen "aufrechte Position einnehmen", "anschnallen" und "Flug genießen" an. Was folgt, ist eine musikalische Reise durch die vielen verschiedenen Viertel der Stadt, die niemals schläft. Von der fast zehnminütigen Ouvertüre aus der Feder von Kees Vlak wird das Publikum derart mitgerissen, dass man am liebsten in den nächsten Flieger mit Ziel New York steigen wollte.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist Howard Shores Symphonie "Der Herr der Ringe" aus der gleichnamigen Filmtrilogie basierend auf den Romanen von J.R.R. Tolkien. Begleitend zu den mystischen Tönen der Kapelle wird auf der Wand hinter den Musikern ein Zusammenschnnitt ausgewählter Filmszenen gezeigt, flankiert von wechselndem Lichtspiel. Und das ist fast so, als würde man den Hollywood-Blockbuster im Schnelldurchlauf sehen.

Poplegenden Ebenfalls bleibenden Eindruck hinterließ "Gentlemen of Music", ein Medley aus Hits der Poplegenden Tom Jones und Neil Diamond. Und auch wenn dies der letzte Beitrag im Programm ist, an ein Ende ist noch längst nicht zu denken. Das Publikum fordert lautstark zwei Zugaben. Am Ende gibt es stehende Ovationen für die Musikkapelle, deren durchgeprobte Weihnachtsfeiertage sich mehr als bezahlt gemacht haben.


16. Juni 2015 / Hohenloher Zeitung

Zeitreise im Blasmusikformat

Schöntal - Bieringer Musikkapelle feiert ihr 90-jähriges Bestehen mit einem Konzert in der Jagsttalhalle

Von Isabelle Färber

Schauwände mit bunten Bildern und vielen Zeitungsausschnitten über die Vereinsgeschichte der Bieringer Musikkapelle begrüßen die Besucher im Foyer der Halle. Interessiert rätseln so manche Gäste, wer auf den alten Fotografien zu sehen ist. Bis zum Beginn des Jubiläumskonzerts ist fast jeder Platz belegt - trotz der großen Hitze an diesem Tag.

Die Klarinetten und Flügelhörner

Die Musikkapelle Bieringen nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch die Jahrzehnte ihres Bestehens. Somit bot sich den Zuhörern ein abwechslungsreiches Programm.
Fotos: Isabelle Färber

Den musikalischen Auftakt des Abends bestreitet die elf Mann starke Gründungskapelle, die mit einem traditionellen Marsch die Halle betritt - mit Zylinder und Frack, ganz im Stil der 1920er Jahre. Moderator Alexander Höhn führt die Gäste durch 90 Jahre Vereins- und Musikgeschichte. Von Evergreens über Musical bis hin zu modernen Popsongs sind im Laufe des Abends viele musikalische Stilrichtungen vertreten. Für gezieltes Training der Lachmuskulatur sorgt Alexander Höhn mit seinen Sprüchen und seiner Situationskomik. "Na wie geht's denn dem Muppetclub?", sagt er etwa und zeigt auf den Balkon in der Halle. Das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Mitsingen Aber auch die Bieringer Musiker reißen das Publikum von Beginn an mit. Bei Liedern wie "Von den blauen Bergen kommen wir", oder "Oh when the saints" ist Mitsingen erwünscht. Für diejenigen, die nicht ganz textsicher sind, ist der Text in großer Schrift eingeblendet. Auch Bürgermeisterin Patrizia Filz und Ortsvorsteher Karl-Heinz Kurz singen tatkräftig mit.

Beim Swing vom Louis Armstrong, der besonders die 30er Jahre prägte, kommt die Musikkapelle so richtig in Fahrt. Die ersten Schweißausbrüche rinnen über die Stirn der Trompeter, aber sie trotzen der Hitze. Die 40er Jahre, gekennzeichnet von Krieg, Zerstörung und Trauer, werden musikalisch etwa durch Kurt Weills "Dreigroschenoper" repräsentiert.

Angekommen bei der Geburtsstunde des Rock 'n' Roll hält es die Zuhörer kaum auf den Stühlen. So wippen sie bei Titeln wie "Rock around the clock" beschwingt mit. Das spornt die Musiker zusätzlich an. Das bemerkt auch Moderator Höhn: "Die Musikkapelle gibt heute 140 Prozent Leistung, das schaffen nur die Wahlergebnisse in Kuba", kommentiert er.

Sängerin Sonja Freitag

Sängerin Sonja Freitag begeisterte das Publikum in der Jagsttalhalle.

Im zweiten Teil des Programms geht es zunächst in die unendlichen Weiten der amerikanischen Prärie. Man findet sich wieder zwischen rauchenden Colts und knallharten Cowboys bei "Moment for Morricone". "Das waren noch echte Männer und nicht so dressierte wie heute", sagte Höhn. Bei der Interpretation von "Bohemien Rhapsody" von Queen hat die Kapelle eine besondere Ãœberraschung parat. Die Bläser stehen plötzlich auf und überzeugen mit einer Gesangseinlage. Eine tolle Darbietung, die mit großem Applaus belohnt wird. Auch Gesangssolistin Sonja Freitag überzeugt mit "Er gehört zu mir" von Marianne Rosenberg und dem James Bond Song "Skyfall". Solistin und Kapelle harmonieren perfekt, jeder Ton sitzt. Damit ist die Zeitmaschine im 21. Jahrhundert angelangt.

Zugabe Mit Standing Ovations werden die Musiker belohnt. Natürlich kommen Stefan Bender und seine Gruppe nicht ohne eine Zugabe aus dem Saal.

Chronik
1925 gründeten elf Musikliebhaber die Musikkapelle Bieringen. Mit einem Zuschuss von 300 Reichsmark beteiligte sich die Gemeinde, unter der Bedingung, dass im Fall einer Auflösung des Vereines das Geld zurück an die Gemeindekasse zu bezahlen ist. Zwei Jahre lang fuhren die jungen Musiker mit dem Fahrrad nach Winzenhofen, um beim dortigen Kapellmeister Julius Belz zu proben. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stellten die Musikfreunde die aktive Arbeit ein, die Instrumente zog der Bürgermeister ein. Rund 50 Musikerinnen und Musiker zählt der Verein heute. Das Bestreben des Vereins liegt in der Nachwuchsförderung und der Steigerung des musikalischen Niveaus, um den Verein auch in Zukunft zu erhalten.


8. Januar 2015 / Hohenloher Zeitung

Keine leichte Nuss

Schöntal - Mit einem Musikabend startet die Musikkapelle Bieringen in ihr 90. Jahr

Von Corinna Janßen

Dass es nicht einfach werden wird, darüber ist sich Christian Stahl, seit 2007 Vorsitzender der Musikkapelle Bieringen, im Klaren. "Wir sind eine relativ junge Truppe, und das wird heute ein großer Kraftakt", betont er. Ein Blick ins Programmheft verrät, was Stahl meint. Anspruchsvolle Stücke sind darauf auszumachen.

Musikkapelle Bieringen

Mit 62 aktiven Musikern starte die Musikkapelle Bieringen in ihr 90. Jubiläumsjahr und bietet den zahlreichen Gästen ein kontrastreiches Programm.
Fotos: Corinna Janßen

Die Bieringer Jagsttalhalle ist am Samstagabend bis auf wenige Plätze gefüllt. Mit einem kräftigen Applaus empfangen die Besucher die Musiker. 62 Aktive sind es, die sich auf der Bühne aufstellen. Weitere elf Jungmusiker sind in der Ausbildung. Ortsvorsteher Hans Kurz blickt stolz auf die Musiker. Neben dem Sportverein sei die Musikkapelle der zweitgrößte Verein in Bieringen. "Er ist Aushängeschild der Ortschaft", betont Kurz. Die Qualität der Musik sei in den vergangenen Jahren stets verbessert worden.

Schwung Es wird still im Saal. Der junge musikalische Leiter Stefan Bender hebt den Taktstock. "Zum Jubiläum viel Glück" singen die Musiker. "90 Jahre sind wir jung und bieten euch heute Musik mit viel Schwung", begrüßt Christian Stahl das Publikum. Mit einem kraftvollen "The Times" von Hiroki Takahashi steigt die Kapelle ins kontrastreiche Programm ein. In drei Sätzen werden den Zuhörern Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft musikalisch näher gebracht. Facetten wie Glück, Angst und Ungewissheit werden stimmungsvoll interpretiert.

Klarinetten

Nicht immer leicht hatten es die Musiker an diesem Abend: Anspruchsvolle Stücke aus der "Nussknacker Suite" oder aus Edvard Griegs "Peer Gynt" forderten das ganze Können der Kapelle.

Anspruchsvolle Musikliteratur ist der Blumenwalzer aus der "Nussknacker Suite". Keine leichte Nuss für die Truppe. Doch temperamentvoll meistern die Musiker die große Aufgabe und erhalten viel Applaus. Das Publikum fühlt sich sichtlich wohl. Passend zur Stimmung folgt das Stück "Feeling Good" nach einem Arrangement von Stefan Schwalgin. Solist Andreas Retzbach an der Posaune kommuniziert mit seinen Mitstreitern. Es ist ein wahres Klangerlebnis, das die Gäste zu hören bekommen. "In the Hall of the Rocking King" von Edvard Grieg bezwingt die Musikkapelle gemeinsam mit dem Nichtsnutz Peer Gynt die Trolle

Mit der acht Minuten dauernden Ouvertüre aus "Nabucco" von Giuseppe Verdi verabschiedet sich die Musikkapelle in die wohlverdiente Pause. Jubel begleitet die Akteure von der Bühne. Auch der zweite Part ist gewürzt mit vielen Zutaten, die die Musik zu bieten hat. Marsch, Polka und Medleys erwarten die Zuhürer nun. Mit dem Konzertmarsch "Domi Adventus" von Alexander Pfluger geht es stimmungsvoll weiter. Auch die Freunde von Egerländer Melodien wurden nicht vergessen. "Blasmusik im Herzen" haben da nicht nur die Musiker, die Freude hat auch das Publikum.

Brasilien Sechs bekannte Hits von Antonio Carlos Jobim, dem Gründer des Bossanova, gibt die Musikkapelle als nächstes zum Besten. Doch die Reise nach Brasilien ist noch nicht zu Ende. Samba- und Jazzrhythmen folgen beim "Soul Bossanova" von Quincy Jones. Zahlreiche Solisten, die sich immer wieder aus den Reihen erheben, verleihen diesem Stück eine besondere Note.

Dass die Musikkapelle Bieringen nicht nur stark an den Instrumenten ist, beweisen die Akteure beim Singen des Liedes "Happy" von Pharell Williams. "Hans mach doch da einen Chor drauß", ruft ein Gast dem Ortsvorsteher zu. Mit den "Greatest Hits" von Toto verabschiedet sich die Kapelle - fürs erste. Denn das Publikum fordert lautstark eine Zugabe. Die bekommt es. Erst eine Marschpolka, dann wird in einem Medley dem vor kurzem verstorbenen Udo Jürgens gedacht. Lange hält der Applaus an.


Terminvorschau:

Das Jubiläumsjahr wird für die Musikkapelle Bieringen bunt. Am 14. Februar ist der Verein beim Fasching unter dem Motto "Bieringer Breggl im Liebesrausch" mit am Start. Weiter geht es am 17. Februar mit dem Kinderfasching. Eine "Hocketse mit Blasmusik" steht am 4. Juni an - zum ersten Mal mit Gastkapelle. Der Hauptakt des Jahres ist das Jubiläumskonzert am 13. Juni in der Jagsttalhalle Bieringen. Das Motto lautet "90 Jahre Musikkapelle Bieringen". Auch am Sportfest am 27. Juni ist der Verein musikalisch beteiligt. Den Abschluss macht das Herbstfest am 26. und 27. September.


7. Januar 2014 / Hohenloher Zeitung

Gut, besser, Bieringen

Schöntal - Kapelle hängt beim Musikabend in der Jagsttalhalle die Latte hoch

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

Der Film "Skyfall" beginnt mit einer atemberaubenden Szene, in der James Bond von einer Kugel getroffen in einen Fluss stürzt. Aber Bond wäre nicht Bond, wenn der Agent 007 nicht wieder auftauchen würde. Sein Hobby ist die Auferstehung. "Unser Hobby ist die Musik und damit diese auch gut klingt, haben wir einen besonderen Agenten. Sein Name ist Bender, Stefan Bender", versichert Thomas Fricke zu der auf dem Programm stehenden Musik aus dem neuesten Bond-Film.

Gesang Joachim Bayer

Prise Witz Mit einer Prise Witz und Charme verhelfe der Dirigent der Musikkapelle Bieringen zu unglaublichen Klängen. Zur Filmmusik gibt's in der Jagsttalhalle auch Bond-Girls, die mit einer Tanzchoreographie verzaubern. Wie hoch die Ambitionen der Bieringer zielen, spricht aber auch schon aus dem einleitenden Meisterwerk "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss, dessen bedrohlich brodelnde Klangkulisse in einem fanfarenartigen Höhepunkt gipfelt. Die Ouvertüre lässt Großes erwarten. Nervenkitzel und Konzentrationsind für die 60 Musiker mit der Alvamar Overture von James Barnes angesagt, die im oberen Segment einer Oberstufenkapelle angesiedelt ist. Das Werk atmet die amerikanischen Klangfarbenweiter offener Flächen und Strände. Es ist nicht nur wegen seiner diffizilen Percussion-Passagen anspruchsvoll, sondern auch wegen seiner Dynamik und Tempowechsel, die von der Musikkapelle bravourös gemeistert werden. Enseblefähigkeit, Virtuosität, Gefühl für dynamische Feinabstimmung, all das macht das Programm zu einem Erlebnis, so wie in "Jurassic Park" von John Williams. Musikalisch anspruchsvoll ist die abenteuerliche Fahrt durch den Dinosaurier-Erlebnispark. Die eindrucksvolle Filmmusik beginnt mit den Schritten des nahenden Tyrannosaurus Res. Lyrisch und leise beginnend steigert sich das Stück zum gelungenen Soundtrack. Wahrlich schwere Kost gibt's beim Musikabend auch mit dem "Bolero" von Maurice Ravel. Die Komposition erhält duch die ständig wechselnde Instrumentierung permanent enue Klangfarben. Ab der Mitte des Stücks wird die Melodie zusätzlich auch in verschiedenen Tonarten gleichzeitig zu einem Mix aus Harmonie und Disharmonie verschmolzen. Die Musikkapelle Bieringen spielt unter der Leitung von Stefan Bender mit großer Präziesion, klarem Klang und eindrücklicher musikalischer Gestaltung.

Faszinierende Welt Dabei fesseln sie die Zuhörer im kraftvollen Fortissimo ebenso wie im zarten Pianissimo. Zu ihrer faszinirenden Welt der Musik gehören auch der Swing und die Samba. Und schlichtweg ein Genuss ist der rassige Florentiner Marsch. Blasmusik vom Feinsten zelebriert die Kapelle mit "Klostermann's Musikanten". Das I-Tüpfelchen auf den Musikabend setzen Angelika Kohler und Joachim Bayer. Nicht nur Trompete und Flügelhorn sind bei ihnen in guten Händen. Im Duett beweisen die Beiden mit "Up where we belong" wohlklingende Stimmen. Und solistisch unternimmt Joachim Bayer einen Abstecher nach New York. Dabei kann man nicht anders als mitswingen.


Geschichte

Einige beherzte Bürger hatten 1925 den Mut, in Bieringen eine Musikkapelle ins Leben zu rufen. Sie betraten damit absolutes Neuland. Es fehlte nicht an Idealismus und auch nicht an der Liebe zur Musik, was nach wie vor lebendig ist. Um das Niveau der Kapelle weiter zu steigern, wurde 1977 der erste Musikabend veranstaltet. Aufgrund des großen Erfolges entschied man sich, jedes Jahr einen Konzertabend zu gestalten. Die Musikkapelle Bieringen zählt aktuell 68 Musiker, in deren Reihen neun Jungmusiker sind. Elf Nachwuchsmusiker sind derzeit in Ausbildung. Das Bestreben wird weiterhin sein, intensiv den Nachwuchs zu fördern, das musikalische Nivau zu steigern und somit den Fortbestand der Kapelle zu sichern. Ãœber Festmusik, Konzertantes bis hin zur Umrahmung von Hochzeiten ist sie nämlich fester Bestandteil der Gemeinde.


7. Januar 2013 / Hohenloher Zeitung

Liebe in Dur und Moll

Schöntal - Musikkapelle Bieringen überzeugt in jeder Stilrichtung der Blasmusik

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

Sie haben eine große Leidenschaft: Die Liebe zur Musik. Sie ist Herzenssache für die Bieringer Musikanten. "Unsere größte und schönste Entdeckung ist die Liebe zur Musik", erklärt Vorstand Christian Stahl daher auch das Motto für den Musikabend.
"Aus Liebe zur Musik" steht über dem Konzert. Und das ist für die Besucher in der proppenvollen Jagsttalhalle nicht zu überhören. Mit viel Leichtigkeit vermitteln die 55 Musikerinnen und Musiker beim "Concerto d'Amore" Zärtlichkeit, Romantik und Leidenschaft. Die Musikkapelle Bieringen spielt das technisch und rhythmisch abwechslungsreiche Stück von Jacob de Haan mit viel Einfühlungsvermögen. Die Komposition enthält sowohl barocke musikalische Elemente als auch Passagen mit Pop, Jazz und Swing. Die Maestoso bezeichnete Einleitung der Komposition klingt wie eine barocke Ouvertüre.

Flügelhornsolo

Mit großer Klangdichte, aber auch mit meisterhaften Soli wartete die Musikkapelle in der vollbesetzten Jagsttalhalle auf.
Foto: Claudia Burkert-Ankenbrand

Energie Es folgt ein energiereicher Abschnitt im Pop-Stil, der zu einem Adagio führt. Ein Motiv daraus ist in der Swing-Passage zu hören. Dann kehrt das Adagio in neuem Gewand zurück, um das Werk zu beenden. Die Sagewelt der nordischen Mythologie ist Schauplatz für das klangvolle und herausfordernde Stück "Fate of the Gods". Die programmatische Komposition von Steven Reinecke erzählt die Geschichte von Ragnarok, auch bekannt als das Zwielicht der Götter. Die Zuhörer erleben die Entstehung der Welt, deren Untergang und die grandiose Neuerschaffung. Die Musikkapelle zeigt damit auch auf eindrückliche Weise, wie sich die Originalliteratur für Blasmusik in unserer Zeit verändert, wie variantenreich die Klangmöglichkeiten eines Blasorchesters sind und wie sorgfältig damit umgegangen wird. Eine in ihrer sehr feierlichen, erhabenen Darbietung angemessene Interpretation ist die für Blasorchester arrangierte Fassung der Arie aus dem zweiten Notenbuch für Anna Magdalena Bach "Bist du bei mir". Jede Phrase dieses ergreifenden Liebesliedes ist musikalisch ausgeleuchtet, intonationsrein und von großer Klangdichte. Rhythmisch sehr exakt und überzeugend, mit einer stets den musikalischen Dynamik sowohl beim Forte als auch beim Piano lassen sich die Bieringer hören.

Fröhlich Mit dem populären "Bugler's Holiday" von Leroy Anderson zeigt ein gut ausbalanciertes Trompeten-Flügelhorn-Register, wie ein Blasorchester fröhliche Gute-Laune-Musik machen kann. Der Musikabend beweist, dass Stefan Bender und seine Musikkapelle sehr gut disponiert und bestens vorbereitet sind. Das braucht es für das äußerst anspruchsvolle Orchesterwerk von Arturo Márquez. Sein "Danzon No.2&" fordert alle Register, wobei die Soli mit Bravour dargeboten werden. Neue klangliche Möglichkeiten zeigen, dass nicht nur das spektakuläre, sondern auch das Tiefergehende, das Stille in der musikalischen Darbietung mit einem Blasorchester möglich ist. Und nichts scheint in der Musikkapelle Bieringen unmöglich. So formiert sich für "Bohemian Rhapsody" ein sangesstarker Chor. Auch hierfür gibt's beim Musikabend Bravorufe und lang anhaltenden Beifall.

Zitate:

"Die müssen verrückt auf Musik sein, sonst würden die das gar nicht so hinkriegen." - Meinrad Mayer, Eberstal

"Ein stimmungsvoller Abend und eine tolle Gemeinschaft." - Sabine Focken, Pfarrerin, Schöntal

"Gute Qualität und abwechslungsreich." - Rolf Rüdenauer aus Weldingsfelden

"Spiele mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand." - Stefan Fricke von der Musikkapelle Bieringen

"Faszinierend, was Stefan Bender als Dirigent musikalisch rausholt" - Paul Stahl, Bieringen

"Der Gesang bei Bohemian Rhapsody war etwas Besonderes" - Leo Brümmer, Bieringen

"Es gibt absolut nichts zu kritisieren." - Harald Walter, Waghäusel

"Ein sehr vielseitiges Programm." - Klaus Deuser, Oberkessach


24. April 2012 / Hohenloher Zeitung

Am Anfang gleich mal Gänsehaut

Musikkapelle Bieringen gelingt unter Stefan Bender ein bravuröser Auftakt

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

Den Unterschied zwischen einer Blaskapelle und einem Blasorchester bekommen die Besucher des Frühlingskonzertes eindrücklich vorgeführt. Die Musikkapelle Bieringen bietet Blasmusik vom Besten und von ihrer schönsten Seite. Ihr kann man zudem bestätigen, dass sie mit der Verpflichtung von Dirigent Stefan Bender einen sehr guten Griff getan hat. Es ist imponierend, zu welchen außergewöhnlichen Leistungen Amateurmusiker in der Lage sind. Die Leistung des 56-köpfigen Ensembles zeugt von Können und einem enormen Proben-Pensum. Das Ergebnis ist auch ein Verdienst des Dirigenten. Denn Musik ist nun mal nicht gleich Musik. Es gibt Stücke, dei leicht ins Ohr gehen, aber dennoch musikalisch hochwertige Arrangements sind. Und es gibt Kompositionen, die bläserisch sehr schwierig zu bewältigen sind und den Interpreten enorm viel abverlangen.

Klarinetten der MKB

56 Musiker zählt die Musikkapelle Bieringen. Ihr Auftritt zeugt von musikalischem Können und jeder Menge Proben-Arbeit.
Foto: Claudia Burkert-Ankenbrand

Nervös Stefan Bender hat ein Programm zusammengestellt, das beidem gerecht wird. Gänsehautmomente gibt's gleich zu Beginn mit "Images of a City". Musikalisch wird ein Thema präsentiert, das in zwei gegensätzlichen Teilen entwickelt wird: zuerst nervös und schnell, im Mittelteil dann entspannt. Zum Ende hin verschmelzen die beiden Teile miteinander, um gemeinsam den Höhepunkt und Schluss der Komposition von Franco Cesarini zu erreichen.

Jacob den Haan komponierte unter dem Titel "La Storia" eine Filmmusik, zu der es keinen Film gibt. Die Zuhörer sollen sich die Handlungen des Films selbst nach dem Gehörten ausdenken. Das ermöglicht am Samstagabend die Musikkapelle Bieringen. Der Phantasie der Konzertbesucher während der drei Sätze Andante, Larghetto und dem lebhafteren Allegro-Schlusssatz sind keine Grenzen gesetzt. Einsteigen und die musikalische Bergfahrt über die Northern Pacific Railroad genießen, heißt es bei dem Klassiker der sinfonischen Blasmusik "Oregon". Das Stück ist eine Einladung zum Träumen von Indianern, Cowboys und Goldgräbern. Ruhige, getragene Passagen steigern sich zu ausdrucksstarken Fortissimo. Das mit dem Schlagzeug intonierte Pferdegetrappel ist förmlich zu spüren. Akustische Blitze schickt Roger Kühlwein mit seinem Trompetensolo in den Saal der bis auf den letzten Platz gefüllten Jagsttalhalle.

Schmelz Auch die Liebe zur böhmisch-mährischen Blasmusik kommt rüber. Die Herzen der Musiker schlagen im Takt der Blasmusik mit Schmelz. Unter dem straffen dynamischen Dirigat von Stefan Bender serviert die Musikkapelle glänzende Arrangements von Format. Die 60er Jahre feiern mit den "Herb Alpert Golden Hits" beschwingt Auferstehung. Die Schlagzeuger bieten in "Copacabana" ein Percussion-Feuerwerk. Auch dafür gibt es nicht enden wollenden Applaus.

Zitate:

"Ohne die Liebe zur Musik wäre dieser Abend nicht möglich" - Christine Adler, Querflöte

"Die Chemie zwischen Stefan Bender und der Musikkapelle Bieringen stimmt." - Heinz Kohler, Klarinette

"Der Qualität der Musiker ist zuzuschreiben, dass wir beim Konzert eine so große musikalische Bandbreite abdecken" - Stefan Bender, Dirigent

"Ein super Dirigent und eine tolle Mannschaft, denen eine gigantische Vorstellung gelungen ist." - Leo Brümmer, Bieringen

"Hoffentlich dirigiert Stefan Bender die Musikkapelle Bieringen recht lange." - Herbert Knapp, ehemaliger Dririgent und Ehrenmitglied der Musikkapelle Bieringen

"Stefan Bender baut weiter an dem musikkalischen Grundstock, den sein Vorgänger Ottmar Bergdolt gelegt hat." - Karl-Heinz Kurz, Ortsvorsteher

"Die Musikkapelle ist auf einem guten Weg. Glückwunsch." - Wolfgang Paetz vom Musikverein Bieringen am Neckar


4. Januar 2012 / Hohenloher Zeitung

Ein Profi, der seine Wurzeln pflegt

Mulfingen/Schöntal - Der Konzertabend der Musikkapelle Bieringen in der Jagsttalhalle ist traditionsgemäß einer der ersten Termine im Kulturkalender eines neuen Jahres. An diesem Samstag, 7. Januar, ist es wieder so weit. über 60 Musikerinnen und Musiker werden ab 20 Uhr hören lassen, wo für sie die künstlerische Messlatte liegt. In diesem Jahr erwartet die Zuhörer außerdem eine besondere Neuheit: Erstmals dirigiert Stefan Bender die Kapelle. Bender ist gerade mal 23 Jahre jung. Dass er wenige Tage vor dem großen Konzert keineswegs vor Lampenfieber schlottert, sondern eher professionelle Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, hat einen einfachen Grund. Stefan Bender ist studierter Berufsmusiker und verfügt trotz seiner Jugend bereits über vielfältige musikalische Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Musikrichtungen. Sein Leib-und-Magen-Instrument ist die Trompete. Angefangen hat aber alles mit der guten, alten Blockflöte.

Stefan Bender an der Trompete

Flötentöne
Gerade sechs Jahre war Stefan Bender alt, als sein Vater einen Informationsabend der Musikschule Mittleres Jagsttal besuchte. Von diesem Abend kam er mit einer einfachen Frage zurück: "Willst du ein Instrument lernen?" Klein Stefan bejahte die Frage und sagte, er wolle Trompete spielen. Dagegen sprach nichts - bis auf die Tatsache, dass Trompete ein "physisch forderndes Instrument ist", erklärt Stefan Bender heute. Mit sechs Jahren verfügte er noch nicht über den kräftigen Atem, um Trompete zu lernen. So brachte ihm die Musikschule erst mal die Flötentöne bei. Zwei Jahre später durfte er dann zur Trompete wechseln. Mit zehn Jahren heuerte er bei der Blaskapelle Buchenbach/Dörzbach an.

Dass Trompete ein "wichtiges Instrument ist, dominant und laut" stört auf dem elterlichen Hof in Mulfingen-Ailringen niemand. Hier konnte und kann Stefan Bender ungestört üben. Die Probenarbeit zeigte bald Erfolg. Mit 16 erhielt er das Angebot, bei einer Big Band im Raum Würzburg einzusteigen. Von da an fuhr er regelmäßig mit dem Moped von Hohenlohe ins bayerische Frankenland, um mit der Band zu proben. Diese musikalische und geografische Weichenstellung war für ihn bedeutend. Denn in Würzburg bekam er Kontakt zu Dozenten und Professoren der Hochschule für Musik. Bald nahm er bei ihnen Unterricht. Der Weg zu einem regulären Musikstudium war vorgezeichnet. Er studierte Trompete und Flügelhorn und nahm zwei Jahre klassischen Klavierunterricht. Im Sommer 2011 schloss er das Studium ab. Eigentlich, so sagt er schmunzelnd, hat er jetzt drei Berufe: Trompeter, Dirigent, Lehrer.

Big Band
Die Big Band, die ihn einst verpflichtete, leitet er inzwischen. Das "Savoy Ballroom Orchestra" erhielt vor wenigen Tagen übrigens den ersten Preis des Bayerischen Orchesterwettbewerbs. Stefan Bender fungiert in diesem Orchester als Solist und künstlerischer Leiter. Als Musiker trat er auch schon im Ensemble der Freilichtspiele Schwäbisch Hall auf, er ist Mitglied der Soul Band "Glamour Chief" und leitet das Stefan-Bender-Quartett, das sich ganz dem Jazz verschrieben hat.

Seit wenigen Monaten dirigiert er nun auch die Musikkapelle Bieringen, seit längerer Zeit schon das Jugendorchester Dörzbach. Der Terminkalender ist voll. "Mir ist es wichtig, etwas für das Kulturgut zu tun. Und es sind ja auch meine Wurzeln", sagt er über die Zusammenarbeit mit der Musikkapelle Bieringen. "Wir machen auch viele sinfonische und moderne Sachen." Er lobt die Nachwuchsarbeit der Kapelle. Und mit den über 60 Musikern sei "klanglich einiges möglich". Zumal alle brav und fleißig üben, entweder gemeinsam oder zuhause. Sogar am Neujahrstag wurde geprobt.

Die Besetzung der Kapelle ist ausgewogen, findet der Dirigent. Deshalb kann beim Konzert am 7. Januar eine große Bandbreite abgedeckt werden. Das Konzert beginnt mit sinfonischer Blasmusik, dann wird es poppig bis rockig und schließlich kommt die lupenreine Blasmusik zu ihrem Recht.


10. Januar 2011

Zum Abschied geht sogar die Sonne auf

von Daniel Stahl

Ottmar Bergdolt und Heinz Kohler

Gerührt hört sich Ottmar Bergdolt (rechts) ein Ständchen an, dass Heinz Kohler (links) und die Musiker für ihn gedichtet haben.
Foto: Daniel Stahl

Schöntal - Ottmar Bergdolt atmet noch einmal durch, dann steht er auf und betritt die Bühne. Nach zehn Jahren gibt der Dirigent der Musikkapelle Bieringen sein Amt ab. "Er wird heute bei uns zum letzten Mal den Dirigentenstab schwingen", sagt Musiker-Vorstand Christian Stahl. Die Kapelle spielt an ihrem 35. Musikabend deshalb eine Auswahl der besten Stücke aus ihrer Zeit mit Bergdolt. Und der gibt an seinem letzten Bieringer Konzert noch einmal alles.

Rosen
Mit dem Konzertmarsch "Auf Adlers Schwingen" beginnt ein schweißtreibender Abend für den Dirigenten. Beim Walzer "Rosen aus dem Süden" von Johann Strauss Sohn bremst der 53-Jährige sein Orchester zunächst, dann treibt er die Musiker an Forte-Passagen mit rudernden Armen an. Auch die Ouvertüre zu "Dichter und Bauer" von Franz von Suppé dirigiert er zehn Minuten mit vollem Einsatz durch.

Die meiste Arbeit hat ein Kapellenleiter aber schon vor dem Konzert, erzählt Vorstand Christian Stahl. Ottmar Bergdolt hat Probenwochenenden und Sonntagsproben bei den Bieringer Musikern eingeführt. In zehn Jahre hat er drei Bieringer Musikfeste mitgemacht, unzählige große und kleine Auftritte geleitet und drei Kapellen-Vorstände überdauert. Neue Instrumente, Änderungen in den Registern, mehr Solisten - mit viel Einsatz hat der Vollblutmusiker Ottmar Bergdolt seine Kapelle voran gebracht und stetig verbessert. Er hat durch sein "Motivieren, Vorweggehen und seinen unermüdlichen Einsatz sehr vieles bewirkt", sagt Christian Stahl.

In zehn Jahren hat Ottmar Bergdolt mit den Bieringer Musikern vor allem viele anspruchsvolle Werke einstudiert. Christian Stahl hat die Titel dieser Stücke ausgedruckt und aneinander geklebt. "Drei Meter Highlights" sind heraus gekommen.

Einige Werke aus dieser Liste erklingen in der Bieringer Jagsttalhalle noch einmal. Die Filmmusik zu "Fluch der Karibik" und das Stück "Balkan-Impressionen" gehören genauso dazu wie die "New York Overture" von Kees Vlak. Mit seiner Kapelle schleicht Ottmar Bergdolt bei der Filmmusik zu "Der letzte Mohikaner" durch die Prärie und führt eine Art Kriegstanz auf, damit alle Musiker auf seine Vorgaben achten. Da kann man gut verstehen, warum er sich nach jedem Stück den Schweiß aus der Stirn wischt. Dafür darf er nach der bejubelten dritten Zugabe "Die Sonne geht auf" lauten Beifall und Bravo-Rufe der gut 300 Besucher entgegen nehmen.

Sehnsucht
Den längsten Beifall erhält Ottmar Bergdolt aber selbst. Der ganze Saal steht auf und klatscht. Auch die Musiker singen ihren Dirigenten ein Lied als Dankeschön und schenken ihm eine Gartenbank. Auf der soll Ottmar Bergdolt jetzt öfter gemütlich in seinem Garten in Schöntal ausruhen, sagt Christian Stahl. "Und wenn es zufällig Freitagabend sein sollte und ein paar Blasmusikklänge aus Bieringen erklingen, kommt vielleicht auch die Sehnsucht nach uns und der Musik."

Der ideale Zeitpunkt um aufzuhören

Schöntal - Nach zehn Jahren hat Ottmar Bergdolt gestern zum letzten Mal die Bieringer Musikkapelle geleitet. Damit geht im Jagsttal eine kleine Blasmusik-Ära zu Ende. Daniel Stahl hat sich mit dem 53-Jährigen unterhalten, der 20 Jahre lang die "Fidele Buam" geleitet hat und in vielen anderen Kapellen als Dirigent und Musiker dabei war.

Ottmar Bergdolt
Foto: Daniel Stahl

Wie war es, heute Abend die letzten Takte zu dirigieren?
Ottmar Bergdolt: Schwierig. Jeder Abschied ist ja schwer. Was mich positiv stimmt, ist, dass es gut läuft in Bieringen. Ich hinterlasse ein funktionierendes Orchester. Das war mir wichtig.

Was ist dir heute durch den Kopf gegangen?
Bergolt: Die Konzerte jedes Jahr im Januar waren für mich immer die Höhepunkte, aber auch die Musikfeste und andere Auftritte, etwa mit den Hohenlohe Highlanders. Auch Wanderungen mit den Musikern oder unsere Bergmessen waren toll. Die habe ich eingeführt, wie unsere Sonntagsmusikanten.

Erinnerst du dich noch an deine Anfänge mit der Musikkapelle?
Bergdolt: Ich wollte nur für ein Konzert mitmachen. Die Kapelle brauchte im Oktober 2000 jemanden, der als Dirigent einspringt, sonst hätten sie ein Konzert absagen müssen. Ich sagte, ich kann es probieren. Dann habe ich gesagt, dass ich zwei Jahre weiter mache. Irgendwie sind es zehn geworden.

Warum gibst du das Amt ab?
Bergdolt: Alles hat sich gut entwickelt. Aber jedem Trainer gehen mal seine Methoden aus. Zehn Jahre sind eine gute Zeit. Es gibt für den Ãœbergang einen Nachfolger, das passt gut. Jetzt kommen auch neue Musiker in die Kapelle, ein kleiner Umbruch steht an. Es ist der ideale Zeitpunkt, um aufzuhören.

Machst du weiter Musik?
Bergdolt: Zunächst mache ich Pause. Vielleicht steht irgendwann ein böhmischer Abend als Projekt mit den Fröhlichen Dorfmusikanten an (Blasmusikformation aus Ballenberg, Anm. d. Red.). Das könnte ich mir vorstellen. Aber permanent möchte ich gerade nichts machen.


13. Januar 2010

Start ins Jubiläumsjahr gelungen

Schöntal - Der Start ins Jubiläumsjahr "85 Jahre Musikkapelle Bieringen" ist den Musikern um Dirigent Ottmar Bergdolt gelungen. Die Jagsttalhalle war voll besetzt, selbst auf der Empore gab es kaum freie Sitzplätze.

Musikkapelle Bieringen

Mit einem Musikabend, der das Publikum begeisterte. sorgten die Bieringer Musikern für einen gekonnten Auftakt des Jubeljahrs.
Foto: privat

Gleich zu Beginn erklang mit "San Lorenzo" ein argentinischer Konzertmarsch, dessen Trio sich gleich im Ohr festsetzte. Dass so manches Trinklied sogar aus einer Oper stammt wurde bei "Nebukadnezar" eindrucksvoll bewiesen. Mit dieser Ouvertüre zur Oper von Giuseppe Verdi wurde der klassische Teil eröffnet, der auch das Medley "Best of Mozart" enthielt. Das nächste Stück wurde gleich in zwei Sprachen angekündigt, in Deutsch und Chinesisch. So konnte das Publikum die Gedanken schon mal in die Ferne schweifen lassen, denn "Yangtze River" beschreibt den Verlauf des Flusses in China. Mit Applaus belohnte das Publikum die Musikkapelle und verabschiedete sie in die Pause.

Gehaucht Der zweite Teil wurde mit "Ceremonico" eröffnet, doch auch Filmmusik sollte an diesem Abend nicht fehlen. "Once upon a time in the west" von Ennio Morricone war spätestens dann für alle Zuhörer ein Begriff, als der Filmtitel "Spiel mir das Lied vom Tod" genannt wurde. Eine gehauchte Soloklarinette in Verbindung mit der Lyra sorgten für Gänsehaut-Feeling. Der nächste Titel war "The Rose". Elke Autratas harmonischer Gesang über die Liebe ging unter die Haut.

Mit Solostücken ging es weiter. Zuerst brachten Anke Nies und Daniel Göecke "Yakety Sax&" zu Gehör. Virtuos verzauberten mit ihren Tenorsaxophonen. Mit "Trumpet Blus and cantabile" begeisterten die Trompetenspieler das Publikum. Zum Schluss folgte dann traditionell eine Polka. Der "Böhmische Zauber" rundete das Programm ab. Ans Aufhören brauchte die Musikkapelle aber noch nicht zu denken - das Publikum war hartnäckig. Es erklatschte sich zwei Zugaben. Zuerst erklang die Filmmusik zu "Gladiator", im Anschluss traditionell der Konzertmarsch "Die Sonne geht auf". Anschließend trat der Vorsitzende des Blasmusik-Kreisverbands Werner Ehrler ans Rednerpult um die Ehrungen der 27 Musikerinnen und Musikern vorzunehmen. "Euer Motto ist: Wir machen die Musik, und das habt ihr uns heute eindrucksvoll bewiesen", brachte Ehrler seine Begeisterung über das Konzert zum Ausdruck.

Disziplin "Im Zeitalter der elektrischen Musik ist es ja nicht unbedingt üblich, selbst Musik zu spielen, nicht zuletzt weil dies auch anstrengend sein kann und Disziplin erfordert" stellte Ehrler fest. Er lobte die erfolgreiche Vereinsarbeit in der Musikkapelle Bieringen. Man sehe, wie jung und alt harmoniere und zwar nicht nur beim Musizieren - jedes Stück werde von einem andren Musiker angesagt, was eine ganz besondere Abwechslung mit sich bringe. red


7. April 2009

Gefühlvoll durch Mark und Bein

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

Schöntal - Die Jagsttalhalle ist am Samstag im konzertanten Ausnahmezustand. 400 Konzertbesucher strömen in die gute Stube von Bieringen. Gut eine halbe Stunde vor Konzertbeginn sind sämtliche Parkplätze an der Halle belegt. Aus Stuttgart, Ludwigsburg, Heilbronn und Schwäbisch Hall sind die Fans schottischer Musik gekommen.

"Wir sind schon vor sieben Uhr hier gewesen", erzählt Heinz Nietsche aus Waldbach bei Bretzfeld, der sich mit seiner Frau und Bekannten das musikalische Event im Jagsttal nicht entgehen lässt. Nichts geht mehr im Saal und auf der Empore. "Wir hätten noch so viele Karten verkaufen können", erzählt Hugo Mütsch. Mit 400 Besuchern ist jedoch das Maximum erreicht. Und die erleben mit den Hohenlohe Highlanders und der Musikkapelle Bieringen eine faszinierende Musikreise. Die immer wieder gestellte Frage, was der Schotte unterm Rock trägt, klärt Armin Walter zuallererst. Strümpfe und Schuhe nämlich.

Unterstützung erhielten die Hohenloher Highlanders von der Musikkapelle Bieringen. Am Ende riss es die Besucher förmlich von den Sitzen.
Foto: Burkert- Ankenbrand

Gänsehaut Danach gibt's für die erste und derzeit einzige Pipeband im Hohenloher Raum kein Halten mehr. Pipes und Drums lassen schottische Musik erleben, die durch Mark und Bein geht. "Highroad to Gairloch" verursacht Gänsehaut. Dudelsackspieler und Trommler beherrschen die Taktwechsel perfekt. Die Hohenlohe Highlanders setzen das Publikum regelrecht unter Spannung. Ein klangvolles Erlebnis und eine Uraufführung ist "Steamtrain to Mallaig". Die Drummer der Hohenlohe Highlanders führen eine minutiöse Choreografie vor. Mit ihren vielschichtig konstruierten Trommel-Korrespondenzen lassen sie ganz vergessen, dass hier wirklich nur Schlagstücke und Bespannung zu hören sind.

Ihr Konzert bestreitet die Pipeband nicht allein. Klangvolle Unterstützung kommt von der Musikkapelle Bieringen. Auf welch hohem Niveau hier musiziert wird, kommt nicht nur mit "Highland Cathedral" auf die Ohren. Der Klassiker bringt ein schottisches Klangmeer in die Jagsttalhalle. Die Konzertbesucher sind hin und weg. Ein sehr anrührendes Stück ist "Amazing Grace". Auch hierfür geben die 70 Musikerinnen und Musiker unter dem Dirigat von Ottmar Bergdolt ihr Bestes.

Glanzlichter werden mit "O Waly Waly" und "La Boum" gesetzt. Das Flötensolo von Hedy Mühleck bringt die schottischen Highlands näher. Eine perfekte Inszenierung ist "The Gael", dem die Sologeige von Christoph Stahl das Sahnehäubchen aufsetzt. Nach dem fulminanten Finale hält das Publikum nichts mehr auf den Plätzen und applaudiert stehend.


7. Januar 2009

Zeitreise durch die Musikgeschichte

Von Erna Hauber

Schöntal - Da war der kalte Winter schnell vergessen: Konzertant und unterhaltsam präsentierte die Bieringer Blaskapelle unter der Leitung von Ottmar Bergdolt den 33. Musikabend in der vollbesetzten Jagsttalhalle. Los ging's mit dem temperamentvollen Boccaccio-Marsch von Franz von Suppé.

"Hand in Hand" lautete der ursprüngliche Titel des "Kaiserwalzers" von Johann Strauß. Einst komponiert um die politische Verbundenheit des deutschen und Österreichischen Herrscherhauses zum Ausdruck zu bringen, zählt er heute zu den schönsten Werken des Walzerkönigs. Gefühlvolles Piano und mitreißendes Forte machten den Dreivierteltakt auch in Bieringen zum Erlebnis.

Saxofon und Tuba

Saxofon, Flöte, Trompete oder Tuba: Die Bieringer Blaskapelle präsentierte einen Querschnitt durch die Musik verschiedener Epochen.
Foto: Erna Hauber

Flötenverboten
Das Stück "Celtic Flutes" von Kurt Gäble bestach durch eine schaurig-schöne gefühlvolle Melodie, hervorragend interpretiert von Christine Adler und Sina Schönbein an der Querflöte. "Die Flöte ist das beliebteste Instrument überhaupt", stellte Bergdolt fest. Sie sei in allen Kulturen anzutreffen und war in der Vergangenheit von manchem Herrscher sogar als zu erotisch und sittenwidrig verboten worden. Bei den Kelten diente die Musik zur Ausgestaltung ihrer Riten und Bräuche und erlebt momentan eine Renaissance.

Die Ouvertüre zur Operette "Die schöne Galathée" in einer Bearbeitung von Max Villinger ließ erahnen, in welchem Gefühlsstrudel sich der Bildhauer Pygmalion befunden haben muss, als seine Statue zum Leben erwachte und auch andere Männer begehrte.

Im Bravourmarsch "Der alte Dessauer" mit einer einprägsamen Melodie zeigte Roger Kühlwein bei den Trompetensoli, wie gefühlvoll und akkurat dieses Instrument gespielt werden kann. Wie Melodien die Gefühle und Stimmungen des Komponisten Jacob de Haan transportieren können, zeigten die Musiker bei "La Storia". "Highlights from Robin Hood" mit dem bekannten Titel von Bryan Adams "Everything I do" begeisterten das Publikum.

Viel Applaus
In die Zeit des bayerischen Märchenkönigs entführte das Gesangsduo Alexandra Scholz (Sissi) und Joachim Bayer (Ludwig) in passenden Kostümen mit dem Lied aus dem Musical Ludwig II "In Palästen geboren". Es wurde mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Eigens für die Bieringer Musikkapelle hatte Bernard Fabuljan das Musikstück arrangiert. Auch die Tubisten kamen groß raus. Zu "Let the Tubas swing" ließen sich die drei Tubaspieler nicht zweimal bitten und übernahmen gekonnt die Melodieführung. Beschwingt ging es weiter mit Peter aus Texas, einem Austauschschüler und begeisterten Saxofonisten, der zur Zeit in Schöntal lebt und in der Bieringer Musikkapelle schon Freunde gefunden hat. Er spielte "Let's play sax", von Peter Alber. Mit der Polka "Wir Musikanten" und dem Gesangsduo Achim und Alexandra ging der Konzertabend zu Ende.


7. Januar 2008

Die mit Herzblut spielen

Schöntal - Der Musikkapelle Bieringen gelingt mit dem Musikabend ein Meisterstück

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

Musik ist für sie Herzenssache. Das fängt beim Musikabend nicht erst mit der Annen-Polka an und hört für die Bieringer Musikanten auch mit einer Zugabe nicht auf.

Saxofone

Mit Gefühl und Leidenschaft: Die Musikkapelle Bieringen deckte bei ihrem jüngsten Konzert eine breite musikalische Palette ab.
Foto: Claudia Burkert-Ankenbrand

Bereits der Hartenberg-Marsch gibt ein Beispiel, auf welch hohem Niveau musiziert wird. Wer gemeinhin mit einem Marsch verbindet, überwiegend musikalisch ordentlich was auf die Ohren zu bekommen, den belehren die Bieringer eines Besseren. Sattes Tutti ist das eine, ihr feines Musizieren das andere, womit der Konzertmarsch zum Hörgenuss wird. Nicht nur alle Annen in der Jagsttalhalle sind von der gleichnamigen Polka begeistert.

Dynamisch gestaltet das inspirierende Dirigat von Ottmar Bergdolt die Komposition aus der Feder von Johann Strauß Sohn. Die Musikkapelle versteht sich darin auf zartestes Piano. Die Klarinetten lassen hören, welches Temperament in ihnen steckt. Die Annen-Polka verabschiedet sich mit einem fulminanten Finale. Der Walzer "Wein, Weib und Gesang" schwingt herrlich leicht. Die Musikkapelle Bieringen spielt ihn mit Hingabe und dem gewissen Quäntchen Schmelz, das Walzerseeligkeit beschert. Heinz Kohler lässt auf seiner Klarinette den Csardas tanzen. Er spielt das Solo mit Herzblut. Das lebhafte und feurige ungarische Temperament, von dem Vittorio Montis Komposition lebt, kommt den Zuhörern ganz nah. Die Musikkapelle begleitet den Solisten dezent, wodurch sie dem ausdruckstarken Klarinettenspiel Raum lässt.

Feurige Rhythmen Temperament, Schwung und Perfektion stehen auch über der Ouvertüre "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé. Feurig sind die Rhythmen. Die melancholischen Phrasen gelingen beim musikalischen Ritt durch die ungarische Steppe. Die Trompeter lassen dabei ihre silbernen Instrumente geradezu akustisch aufblitzen. Einen Abstecher nach Schottland unternimmt die Musikkapelle mit "Highland Cathedral". Bildhaft erzählen sie den konzertanten Spaziergang über die schottischen Highlands. Imposant und majestätisch ist der Klang. Spannende Unterhaltung wird mit "A Little Opening" serviert.

Eine Klasse für sich ist der Song aus dem Film "Fluch der Karibik". Faszinierend kommt die Filmmusik rüber, was mit am stark besetzten Schlagwerk und Percussion liegt. "Love And Marriage" bringt die schrecklich nette Fernsehfamilie in die Jagsttalhalle. Der Nachwuchs der Musikkapelle zeigt dabei, dass er sich auch aufs Tanzen versteht.

Clapton und Polka Auch Fans von Eric Clapton kommen beim Musikabend auf ihre Kosten. Den Hergolshäuser Musikanten erweisen die Bieringer mit dem Polkalied "Wie ein Traum" ihre Referenz. Musik ist aus ihrem Leben nicht wegzudenken, was Ottmar Bergdolt und die Musikkapelle Bieringen mit dem Song "Music" von John Miles unterstreichen.

Nachschlag gibt's für die begeistert applaudierenden Zuhörer auch im Dixieland-Sound. "Ice Cream" wird als Nachtisch serviert.


Nachgefragt
Nachwuchsarbeit hatte immer höchste Priorität.
Nachwuchssorgen kennt die Musikkapelle Bieringen nicht. 11 junge Musikanten feierten am Samstag Musikabendpremiere in der Jagsttalhalle Claudia Burkert- Ankenbrand unterhielt sich mit dem ersten Vorsitzenden Christian Stahl über die Nachwuchsarbeit.

Welchen Stellenwert hat in der Musikkapelle Bieringen die Ausbildung von Jungmusikanten?
Christian Stahl: Nachwuchsarbeit ist bei uns schon immer das A und O. Junge Musikanten sind die Zukunft unseres Vereins. So liegt bei uns das Durchschnittsalter auch weit unter 30 Jahren.

Warum ist die Musikkapelle Bieringen in punkto Jungmusiker so gut aufgestellt?
Stahl: Einerseits kommt der Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Die Kinder der aktiven Musikanten wachsen wie selbstverständlich in die Musikkapelle mit rein. Auch das funktionierende Vereinswesen in Bieringen trägt mit dazu bei.

Wird dann überhaupt noch die Werbetrommel gerührt?
Stahl: Natürlich. Es gibt Infoveranstaltungen, bei denen unter anderem die Instrumente vorgestellt werden. Viel läuft auch über Mund zu Mund- Werbung. Und schließlich ist die allerbeste Werbung, wenn es den Jungendlichen in der Musikkapelle Bieringen gefällt.

Wie wird der Nachwuchs gefördert?
Stahl: Die Jungendlichen sind bei uns von Anfang an voll integriert. Da gibt's keinen Unterschied zwischen blutigen Anfängern und erfahrenen Blasmusik- Hasen. Bereits im zweiten Ausbildungsjahr spielen die Jungen in der Sonntagsmusikkantengruppe mit.

Gibt's auch noch Träume und Wünsche?
Kohler: Das hohe musikalische Niveau, das wir erreicht haben, zu halten. Auch wünsche ich mir, dass die tolle Kameradschaft, die wir untereinander haben, bleibt. Einfach toll ist auch der Zuspruch und die Verbundenheit, die wir als Musikkapelle immer wieder erfahren dürfen.


8. Januar 2007

Konzertante Blasmusik mit Niveau

SCHÖNTAL - Musikabend der Musikkapelle Bieringen füllt die Jagsttalhalle

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

"Klasse, dass Sie sich Zeit genommen haben", freut sich Vorstand Heinz Kohler über die vielen Besucher. Der traditionelle Musikabend in der Jagsttalhalle in Bieringen ist für die 50 Musikerinnen und Musiker das erste große Highlight im Vereinsjahr.

Begeisternde Blasmusikliteratur für Jung und Alt steht auf dem Konzertprogramm. Der schwungvolle Marsch "Hoch Heidecksburg" gibt Beispiel für das hohe Niveau, auf dem Ottmar Bergdolt mit den Bierfingern musiziert. Was ein Banditenhauptmann zu einer Hochzeit beitragen kann, weil die Musikkapelle zu erzählen. Die Ouvertüre aus der Operette "Banditenstreiche" von Franz von Suppé ist spieltechnisch keine leichte Kost.

Tenorhörner der MKB

Eine große Bandbreite musikalischer Stilrichtungen stellte die Musikkapelle Bieringen in der Jagsttalhalle vor. Auch die Qualität der Darbietungen überzeugte die Zuhörer.
Zugabe wurde gewünscht.

Ohren-Wellness Aufmerksam und unbedingt folgen die Musikerinnen und Musiker den prägnanten, im dirigentischen Duktus mitreißenden Anweisungen von Ottmar Bergdolt. Die Ouvertüre verlangt viel dynamische Ausgestaltung. Diesbezüglich bleiben keine Wünsche offen. Die Interpretation reicht von feinstem Pianissimo bis zu eindringlichem Forte.

Welch solistisches Potenzial vorhanden ist, bringen Daniel Gödecke und Roger Kühlwein zu Gehör. Mit Hingabe spielt Daniel Gödecke die Blockflöte, die in der "Meditation" von Rudolf Sochor auf Blasmusik trifft. Der außergewöhnliche musikalische Leckerbissen ist Wellness für die Ohren. Roger Kühlwein begeistert in "Silberfäden" mit einem Bravour-Solo auf der Trompete. Er spielt sein silbernes Instrument mit berückender Leichtigkeit. "Dorfschwalben aus Österreich" bringen den Frühling in die Jagsttalhalle. Die unterschiedlichen Tempi machen den Walzer von Josef Strauß lebendig.

Flötensolo Ihre Qualitäten als Big Band Orchester beweist die Musikkapelle mit "New Age Rock". Kerniger Sound, zu dem insbesondere die Saxophone beitragen, begeistert. Was die Musikkapelle zu leisten vermag, ist sowohl im Tutti als auch in den Registern nicht zu überhören. Ein filigranes Flötensolo leitet das Medley ein, mit dem die Bieringer Joe Cocker ihre Referenz erweisen.
Die Songs des Engländers mit der so markigen Stimme sind eine Masse für sich. Auch ein Abstecher in den Dschungel unternimmt Ottmar Bergdolt mit der Musikkapelle. Walt Disney's "Dschungelbuch" wird aufgeschlagen. Faszinierende Filmmusik verzaubert. Das i-Tüpfelchen auf die gelungene Dschungelreise setzt Balu der Bär. Es mal mit Gemütlichkeit zu probieren, fordert er auf.

Fernsehmelodien Die Musikkapelle versteht sich auch auf spannungsreiches Musizieren. Ein Medley bekannter Film- und Fernsehmelodien aus der Feder von Klaus Doldinger lässt dies erleben.

Nachschlag Nicht nur bei der Titelmusik des Tatorts knistert es. Die böhmische Polka "Lass uns mit den Wolken ziehn" schlägt gekonnt den Bogen zurück zu den blasmusikantischen Wurzeln.

"Die Mischung war super, es hat uns gefallen", lauteten die Meinungen, und das nimmt die Musikkapelle zusammen mit dem Schlussapplaus mit. Erst nach musikalischem Zuschlag geht's von der Bühne.


NACHGEFRAGT
Nachwuchs erfordert auch Ausbildung.
Viel mehr hätten auf der Bühne der Jagsttalhalle nicht Platz gehabt. Fast 50 Aktive zählt die Musikkapelle Bieringen. Was hierfür in Bieringen getan wird, wollte Claudia Burkert-Ankenbrand vom Vorstand Heinz Kohler wissen.

Andernorts wird über fehlende Blasmusiker geklagt. Wie kommt es, dass Bieringen da ausschert?
Kohler: Wir wissen, wie wichtig Nachwuchs für die Zukunft unserer Musikkapelle ist. Jugendarbeit wird daher bei uns im Verein schon immer groß geschrieben. Alle zwei Jahre beginnen bei uns neue Ausbildungskurse. Das Gros der Azubis wechselt in die Musikkapelle. Darauf sind wir stolz.

Wie viel Musik Azubis gibt es derzeit?
Kohler: Wir freuen uns auf zwölf junge Musiker. Nach dreijähriger Ausbildung durch Musiker aus unseren eigenen Reihen und auch Externe stehen die Jungs und Mädels nun kurz davor, in die Musikkapelle aufgenommen zu werden.

Gibt es beim Nachwuchs das Interesse an bestimmten Instrumenten?
Kohler: Klar. Trompete, Klarinette und Flöte sind so die Favoriten. Bei uns ist die Mischung allerdings gut ausbalanciert. So bilden wir derzeit unter anderem am Flügelhorn aus.

Gibt's auch noch Träume und Wünsche?
Kohler: Das hohe musikalische Niveau, das wir erreicht haben, zu halten. Auch wünsche ich mir, dass die tolle Kameradschaft, die wir untereinander haben, bleibt. Einfach toll ist auch der Zuspruch und die Verbundenheit, die wir als Musikkapelle immer wieder erfahren dürfen.


1. Januar 2005

Hergolshäuser Musikanten blasen volles Rohr böhmisch

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

"Auf die Hergolshäuser Musikanten haben wir uns schon lange gefreut", sagte Vorstand Heinz Kohler. Zum Jubiläum der Musikkapelle Bieringen feierte der dreifache Europameister der Blasmusik böhmisch-mährisch im Jagsttal Premiere.

Die Hergolshäuser Musikanten zu Besuch

Ohrenschmankerln servierten die Hergolshäuser Musikanten instrumental und auch gesanglich. Schlagzeuger Horst Mergans (links) bewies bei der Flaschenpolka ein gutes Händchen.
Foto: Claudia Burkert-Ankenbrand

"Ihr habt ein tolles Programm auf die Beine gestellt", bescheinigte die zweite Vorsitzende der Hergolshäuser Musikanten Katja Lutz dem Jubiläumsfest, mit dem vier Tage lang 80 Jahre Musikkapelle Bieringen gefeiert wurde.

Hierzu machte sich nicht nur die Jubilarin ein besonderes Geschenk. "Gut 800", schätzte Heinz Kohler die Zuhörergemeinde, die das Festzelt füllte. Und mit den Hergolshäuser Musikanten ein blasmusikalisches Highlight erlebten. Professionelles Auftreten, Showeinlagen, Gesangs- und Instrumentalsolisten sowie ein abwechslungsreiches und mitreißendes Programm zeichneten den großen Blasmusikabend aus. Von Anfang an servierten die Musikanten aus dem kleinen Hergolshausen bei Schweinfurt Blasmusik der Extraklasse.

Ihre Spezialität ist die böhmisch-mährische Blasmusik. "Volles Rohr böhmisch" hieß es daher schon mit der Sommerfestpolka, die den Auftakt setzte. Jubiläumsgrüße durften nicht fehlen. Nicht nur der gleichnamige Marsch bescherte gefühlvolle, fließende und mitreißende Melodien. Ihre Spitzenklasse bewiesen die Hergolshäuser sowohl im Tutti als auch in den einzelnen Registern. Die Musiker unter der Leitung von Rudi Fischer überzeugten in Klangreinheit, Rhythmik und Zusammenspiel bei den spieltechnisch meist äußerst anspruchsvollen Stücken. Spaß, Begeisterung und vor allem die Liebe zur böhmisch-mährischen Blasmusik gehören bei den Hergolshäusern dazu. Starke Soli setzten das Tüpfelchen aufs I. Das Flügelhornsolo von Alexander Walter in "Nächtliche Tränen" zum Beispiel. Oder das Solo für F-Tuba, mit dem Alexander Dietz "In den tiefen Keller" entführte.

Ohrenschmankerln wurden auch gesanglich serviert. Das gefühlvolle Polkalied "Wie ein Traum" mit Kathrin Dietz am Mikrofon gehörte dazu. Spielfreude und die Nähe zum Publikum taten ihr Ãœbriges, um im Bieringer Festzelt für Begeisterung zu sorgen.

Eins obendrauf setzten die Hergolshäuser mit "Best of Abba" und Schlagerklassikern. "Eine Spitzentruppe", schwärmte nicht nur der Vorstand ganz hin und weg. Schon während des Programms wurden Zugaben gefordert, mitgeklatscht, geschunkelt und stürmisch applaudiert: Die Hergolshäuser Musikanten spielten sich in die Herzen des Bieringer Publikums.

"Es hat uns riesig Spaß gemacht", verabschiedete sich Rudi Fischer mit seinen Musikanten. Nicht nur ihnen. Einiges an Zugaben wurde erklatscht, bis der Europameister von der Bieringer Blasmusikbühne entlassen wurde.


30. Mai 2005

"So ein Abend dürfte nie vergeh'n"

Von Barbara Griesinger

Das Wetter, fand Bieringens Ortsvorsteher Karl-Heinz Kurz hätte auch einem 100-jährigen Jubiläum gut gestanden. Schließlich ward der Musikkapelle Bieringen zum 80. Geburtstag Kaiserwetter beschert. Aber auch der Galaabend suchte seinesgleichen und zeigte: Die Bieringer Musiker kommen mitnichten in die Jahre.

Tarzan und Jane

Einen Ausflug in den Busch zu Tarzan und Jane arrangierten die Bieringer Jazztänzerinnen, die zum wiederholten Male deutscher Meister geworden sind. Ausnahmsweise war als Tarzan auch ein Tänzer in ihren Reihen.

Nicht von ungefähr lobte Schöntals Bürgermeisterin Patrizia Filz ebenso wie Ortsvorsteher Kurz das große Engagement der Musikkapelle, die nicht nur aus dem kulturellen Leben Bieringens, sondern ganz Schöntals nicht mehr wegzudenken sei. "In Bieringen herrscht stets ein guter Ton, zumindest wenn die Musikkapelle aufspielt", freute sie sich. Aus der Kapelle mit einst recht einfachem Repertoire sei mittlerweile eine Truppe von hoher Virtuosität geworden. Damit das so bleibt, gab es für die Musiker sowohl von der Bürgermeisterin als auch vom Ortsvorsteher Geburtstagsschecks.

Am Jubiläumsabend ließ sich die Kapelle denn auch nicht lumpen: Acht abwechslungsreiche Programmpunkte hatte sie zusammengestellt - einen für jedes Jahrzehnt. Denn schwungvollen Auftakt machte dabei die Musikkapelle aus der Partnergemeinde Bieringen am Neckar, die zur Geburtstagsfeier an die Jagst gekommen waren.

Danach eroberte die Volkstanzgruppe Bieringen die Bühne, die übrigens ihren 20. Geburtstag feiert. Riesenbeifall ernteten schließlich die "Sonntagsmusikanten". Mit Unterstützung einiger erfahrener Musiker trifft sich der Kapellnachwuchs des Sonntags, um gemeinsam Musik zu machen. Ob "Sweet Caroline", ein "Bayern-Medley" oder ein zünftiges "Prosit" die junge Garde bewies, dass sich die Bieringer Musikkapelle keine Sorgen um den Nachwuchs machen muss.

Bieringer Volkstanzgruppe

Ein Mini-Jubiläum feierten auch die Bieringer Volkstänzer. Die Gruppe wurde 20 Jahre alt und steuerte einen romantischen Fackeltanz zum Abend bei.

Danach entführten Fahnenschwinger in frühere Zeiten, und Moderator Heinz Kohler erkannte messerscharf, wozu das Fahnenschwingen einstens gut war, als ihn die drei Fahnen umwehten: "Das war damals die Klimaanlage , wenn's heiß war."

Am Alphorn stellten Ottmar Bergdolt, Bruno Kilb und Heiko Groß unter Beweis, dass Musiker aus Bieringen nicht nur mit überdimensionalen Musikinstrumenten umzugehen wissen, sondern dass sie mindestens so viel Puste haben wie die Dudelsackbläser, die jüngst in Marlach gastierten. Sie wurden von der erfolgreichen Bieringer Jazztanzgruppe Challenge abgelöst, die sich für die Musikkapelle einen besonderen Auftritt ausgedacht hatte: Die Tänzerinnen lockten die begeisterte Festgemeinde zu Tarzan in den afrikanischen Busch. Und natürlich fand sich dort auch eine schöne blonde Jane.

Prosit der Gemütlichkeit

Perfekt und aus voller Kehle kommt das "Prosit der Gemütlichkeit"- da sind Heinz Kohler und Dirigent Ottmar Bergmann mit dem Nachwuchs der Bieringer Musikkapelle mehr als zufrieden.

Tarzan und Jane waren nicht die einzigen Promis, die in Bieringen über die Bühne wirbelten. Nach dem Auftritt des Kapell-Sextetts gratulierten gar Showgrößen wie Maria und Margot Hellwig, Spider Murphy Band oder Iwan Rebroff (oder waren es deren Doubles?) und selbst die Comedian Harmonists waren eigens für die Bieringer auferstanden. Klar, dass die Geburtstagskinder zum Abschluss gemeinsam sangen: "Dieser Abend war so wunderbar, er dürfte nie vergeh'n." Im Festzelt hat niemand widersprochen.


30. Mai 2005

"Alle fünf Jahre wollen wir's machen"

Von Barbara Griesinger

"Das war schon ein harter Kampf bei dem Wetter", sagt der Dirigent der Bieringer Musikkapelle Ottmar Bergdolt. "Aber alle sind tapfer mitmarschiert." 18 Kapellen marschierten im Takt durch Bieringen. Aber auch sechs Trachten- und Tanzgruppen, der Nachwuchs aus Kindergarten und Schule, Oldtimer wie Gespanne ließen sich vom Hitzerekord am Sonntag nicht abhalten. Schließlich ist etwas Besonderes an einem Festzug mitzuwirken.

Winzertanzgruppe Markelsheim

Mit ihren bunten Trachten und ihrer kunstvollen Vereinsfahnen sorgte die Winzertanzgruppe aus Markelsheim für einen besonderen Farbtupfer im Festzug.

Richard Amon von der Marlacher Blaskapelle lächelt. "Kondition braucht man schon. Aber Fußball spielen ist bei dem Wetter schlimmer." Der Marlacher weiß wovon er spricht, denn er bläst nicht nur Tuba in der Kapelle, er ist auch als Schiedsrichter aktiv. Dennoch sehen nicht nur die Musiker am Ende der rund 1,5 Kilometer langen Festzugstrecke wie gebadet aus. Auch die Trachtenträger kommen ganz schön ins Schwitzen. "Ein kühles Plätzchen" ist deshalb alles, was sich drei Mädels in Adelsheimer Tracht jetzt am Sonntag Nachmittag noch wünschen.

Für Abkühlung war allerdings auch unterwegs gesorgt. Mit Getränken waren die Bieringer im Festzug unterwegs. Zum Beispiel mit "Bieringer Kartoffelbier" und einem Fässle Most. "Das ischt jetzt rattensackleer", weiß der Leiterwagenlenker. Mehr als ein O,2er Gläschen hätt's für ihn aber nicht gegeben. "De Rescht hawwe mir verteilt."

Bieringer Kartoffelbier

Bieringer Kartoffelbier und Most sorgten unterwegs für Kühlung.

Verzichten möchte trotz Hitze keiner der Mitwirkenden auf den großen Auftritt. Denn "es ist eine ganz andere Atmosphäre, wenn man auf der Straße im Festzug spielt", weiß Wolfgang Knauer, der im Musikverein Ballenberg Schlagzeug spielt. Ob's ein Schlagzeuger nicht besser hat als die Bläser, die auch noch einen langen Atem brauchen, da ist sich Knauer nicht sicher. "Das hat alles sei G'wicht", lacht er.

Lang üben müssen die Musiker nicht, um perfekt im Gleichschritt durch die Straßen zu marschieren. "Das haben Musiker im Blut", ist sich der Ballenberger sicher. Und auch Musikerinnen. "Nicht so schwer", fand Selina Huck, die in der Blaskapelle Winzenhofen Trompete spielt, das Marschieren. Etwas aufgeregt war sie allerdings schon, schließlich war es ihr allererstes Musikfest, an dem sie mitgewirkt hat.

Musikkapelle Bieringen

Ein guter Schluss ziert alles:
Die Gastgeber von der Musikkapelle Bieringen zogen beim Festumzug als letzte über die Jagstbrücke.

Und so viele gibt's von der Sorte gar nicht mehr. Vielleicht haben auch deshalb so wenige Kapellen abgesagt. Von Ballenberg bis Buchenbach waren sie mit von der Partie. Allein sechs Kapellen stammten dabei aus den Schöntaler Teilorten. Kein Wunder, dass die Bieringer Gastgeber rundum zufrieden waren. Und nach diesem jüngsten Erfolg ist auch künfig der Festzug sicher: "Alle fünf Jahre wollen wir's machen."


28. Mai 2005

Hoch überm Jagsttal vergeht die Zeit wie im Flug

Von Barbara Griesinger

Hubschrauberrundflug

Schön ist's daheim im Jagsttal - wer's noch nicht wusste, konnte es beim Rundflug am Musikkapellen-Jubiläum entdecken.

"Ich flieg' auch allein", kündigt Alexandra Scholz an. Enttäuscht ist das Kapellmitglied, als sie kurz nach 15 Uhr immer noch auf drei weitere Flugbegeisterte warten muss, um den Himmel über Bieringen im Hubschrauber zu stürmen. Nicht nur Korken lässt die Musikkapelle Bieringen an ihrem 80. Geburtstag knallen. Sie setzt im wahrsten Sinne zum Höhenflug an und lädt zum Blick aufs Jagsttal aus dem Hubschrauber ein. "Das sollte die Attraktion für den Freitag werden", weiß Andreas Volk. Und sie wird's auch, die Bieringer brauchen am Freitag bloß ein bissle Anlaufzeit. Denn dass die Schöntaler gern in die Luft gehen, haben sie bereits vor vier Jahren beim Musikfest bewiesen. Damals hat die Musikkapelle zum ersten Mal die Gelegenheit zu einem Hubschrauberflug angeboten. Und damals waren so viele gekommen, dass die Alouette noch einmal aufgetankt werden musste. Auch für Alexandra ist es wenig später soweit: Zusammen mit Bass, Saxophon und Flügelhorn - mit Daniel Gödecke, ihrem Bruder Matthias und Hugo Mütsch klettert die Klarinettistin in den Hubschrauber. Wenn der abstürzt, ist womöglich das Ende der Kapelle gekommen? - "Nein, keine Sorge, wir haben alle Instrumente doppelt und dreifach besetzt", witzelt Hornist Mütsch.Aber zu der Sorge ist gar kein Anlass: Pilot Joachim Himmrich bringt jede Menge Routine mit, sein blauer Vogel kommt noch viel öfter zur Inspektion als das bestgewartete Auto, und der Himmel glänzt so strahlend blau, dass gar nichts schief gehen kann. Gut zehn Minuten geht die Alouette bei einer Geschwindigkeit von rund 180 Stundenkilometern mit ihren Gästen auf Entdeckungstour: Bieringen, Westernhausen, Aschhausen mit dem Zeppelin'schen Schloss, Oberkessach, Berlichingen und natürlich Kloster Schöntal wirken von oben wie ein perfekt in Szene gesetztes Landschaftsmodell in frischem Laubgrün und leuchtendem Rapsgelb. Auch ein Blick aufs eigene kleine Häuschen aus etwa 150 Metern Höhe ist drin. "Alles in Ordnung daheim", stellt Alexandra Scholz mit Kennerblick fest. Bloß viel zu kurz ist es allen Vieren gewesen - klar, die Zeit im Hubschrauber kann nur wie im Flug vergehen. Und als sie aussteigen, warten schon das nächste Quartett. Der achtjährige Joshua aus Eppingen ist mit von der Partie. Er besucht gerade die Omi in Bieringen und ist schon ganz gespannt. Zwar ist er schon mit einem großen Flieger nach Kreta geflogen, aber in einem Hubschrauber hat er noch keine Runde gedreht. Mit leuchtenden Augen steigt er zehn Minuten später wieder aus. Was ihm am meisten gefallen hat? - "Als der Hubschrauber so richtig in Schräglage gegangen ist."


27. Mai 2005

Den Fass-Schlägen folgen noch viele Paukenschläge

Von Uwe Ralf Heer

Volkstanzgruppe Bieringern

20 Jahren gibt es die Volkstanzgruppe Bieringen. Mit traditionellen Tänzen begleitete sie gestern die Eröffung der Festtage.

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen: Die Musikkapelle Bieringen feiert bis Sonntag ihr 80-jähriges Bestehen mit einem ausgiebigen und abwechslungsreichen Festprogramm. Den Auftakt der viertägigen Feierlichkeiten bestritt gestern Nachmittag Bürgermeisterin Patrizia Filz mit dem traditionellen Fassanstich - nach sechs Schlägen floss das Bier.

"Die nächsten vier Tage lassen wir es so richtig krachen", verspricht der Vorsitzende der Musikkapelle, Heinz Kohler. Ãœber 100 Bieringer sorgen für einen reibungslosen Ablauf und bieten vor allem lokale Schmankerl, die den Darbietungen im und außerhalb des Festzelts in nichts nachstehen. "Alle fünf Jahre machen wir ein großes Fest und wollen dabei ein gutes Programm bieten", sagt Kohler.

Für jeden wird etwas geboten - die Besucherschar kommt daher nicht nur aus dem Jagst- und Kochertal. Selbst bei sommerlichen Temperaturen war das Zelt gestern Nachmittag gut gefüllt, als Bürgermeisterin Patrizia Filz mit einigen Schlägen für den Auftakt sorgte.

Bürgermeisterin Filz beim Fassanstich

Eins, zwei ... sechs Schläge:
Bürgermeisterin Filz beim Fassanstich.

"Die Musikkapelle ist aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken. Sie hat sich auch musikalisch toll entwickelt", meint die Bürgermeisterin. Begleitet von Dekan Andreas Rieg (Kohler: "Danke an ihren Chef für das gute Wetter") und Ortsvorsteher Karlheinz Kurz absolvierte Patrizia Filz ihren ersten Fassanstich ordentlich. Und diesen spritzigen Schlägen folgen in den nächsten Tagen noch weitere Paukenschläge auf dem Bieringer Festgelände an der Jagsttalhalle.

Info: Heute geht's ab 15 Uhr mit Hubschrauberflügen weiter. Am Abend steigt eine Rockparty mit der Band Savage Troop. Am Samstag gibt's ab 14.30 Uhr ein buntes Kinderprogramm sowie abends ein Konzert mit dem Partnermusikverein Bieringen/Neckar. Nach Gottesdienst und Frühschoppen findet am Sonntag der Festumzug statt.


21. Mai 2005

Fagott und Oboe fehlen noch für Wettbewerb

Von Susanne Hämmerle

Seit den Achtzigerjahren musizieren Bürgerinnen und Bürger von Bieringen in der Musikkapelle. "Das ist doch ein Grund zum Feiern", sagte sich der Vorstand. Jetzt laufen die Vorbereitungen für das viertägige Fest vom 26. bis 29. Mai auf Hochtouren.

Gruppenbild MKB

Musikanten aller Generationen von 13 bis 65 Jahren gehören der Musikkapelle Bieringen an. Sie lädt die Bevölkerung am letzten Maiwochenende zu vier festlichen Jubiläumstagen in und bei der Jagsttalhalle ein.

In der langen Zeit ihres Bestehens hat sich die Musikkapelle Bieringen beständig weiter entwickelt. Bis Herbert Knapp im Jahr 1967 das Dirigentenamt übernahm, spielten jedoch nur Männer aktiv im Verein mit. Knapp öffnete den Mädchen die Tore zu den Blasinstrumenten. Heute dirigiert Ottmar Bergdolt eine bunt gemischte Gruppe engagierter Musikerinnen und Musiker.

Die Klasse hat Bergdolt in den letzten Jahren weiter verbessert. "Es gibt wohl nichts, was unser Dirigent nicht hinkriegt, wenn er es sich einmal in den Kopf gesetzt hat", bemerkt der Vereinsvorsitzende Heinz Kohler. Bergdolt wage sich an Stücke, die den Musikern am Anfang noch unmöglich erscheinen.

Doch die Konzertbesucher wissen, dass das Orchester den Ansprüchen ihres Dirigenten durchaus gerecht wird. Anschaffungen wie Kesselpauken und Lyra beweisen, dass die Kapelle in der Oberklasse mitspielen möchte. "Nur noch Fagott und Oboe fehlen uns, um an Wettbewerben Teil zu nehmen", versichert der Dirigent. Doch auch diese Instrumente hofft er, in sein Orchester allmählich zu integrieren.

40 bis 50 Auftritte pro Jahr kommen bei den Musikanten schon zusammen. Traditionell spielen sie an allen wichtigen Kirchenfesten wie Erstkommunion, Fronleichnam oder Erntedank. Außerdem gehört der Musikabend im Januar ebenso zum Standardprogramm wie die Faschingsveranstaltung oder die Begrüßung des ersten Mai. Natürlich kommt bei der Kapelle auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Ausflüge und Wanderungen stehen jedes Jahr auf dem Programm.

"Wir sind besonders stolz, dass bei uns alle Generationen dabei sind", sagt Kohler. Von 13 bis 65 reiche die Altersspanne. Entsprechend vielfältig ist auch das Repertoire. Mal spiele die Band zünftige Blasmusik, mal Klassiker. Doch auch die moderne Musik komme dabei keineswegs zu kurz.

Zum Jubiläumsfest gibt es an allen vier Tagen ein buntes Programm. Ein Höhepunkt ist der Donnerstag Abend mit den Hergolshäuser Musikanten. Sie spielen böhmisch-mährische Blasmusik der Oberstufe. Für die Jugend verspricht Savage Troop am Freitag eine Rockparty. Am Samstag zeigt dann die Musikkapelle Bieringen selbst nach einem umfassenden Festprogramm ihr Können. Daneben gibt es an allen vier Tagen für die Besucher zahlreiche Programmhöhepunkte rund um die Jagsttalhalle.


11. Januar 2005

Ein Rendezvous mit Blasmusik am Abend

Von Claudia Burkert-Ankenbrand

80 Jahre sind seit der Gründung der Musikkapelle Bieringen vergangen. Am Samstagabend startete die junggebliebene Kapelle mit einem besonderen Musikabend ins Jubiläumsjahr.

Musikkapelle Bieringen

Die Musikkapelle Bieringen entfaltete unter dem Dirigat von Ottmar Bergdolt in der Jagsttalhalle eine dynamische Bandbreite vom zartesten Pianissimo bis zum eindrucksvollen Forte.

"Dass sie so zahlreich gekommen sind", freute Vorstand Heinz Kohler beim 29. Musikabend, der ein besonderer war. Kohler: "Mit dem heutigen Musikabend wollen wir in unser Jubiläumsjahr starten." Begeisterten Applaus nahmen die Bieringer Musikanten aus dem gelungenen Jubiläumsauftakt mit: Ihr Musikabend war ein Rendezvous mit Blasmusik, das keine Wünsche offen ließ. Sattes Tutti erfüllte die Jagsttalhalle bei dem italienischen Militärmarsch "Venezia". "Rosen aus dem Süden" überreichte die Musikkapelle im Dreivierteltakt. Nicht nur spannungsreiches Musizieren wurde mit der Ouvertüre aus der Operette "Dichter und Bauer" von Franz von Suppé bewiesen. Unter dem souveränen Dirigat von Ottmar Bergdolt entfaltete die Musikkapelle dynamische Vielfalt von zartestem Pianissimo bis zum mächtigen Forte. Aus welch solistischem Potential der Dirigent schöpfen kann, kam mit "Grandfather's Clock" in den Musikabend. Die Piccoloflöte von Daniela Mütsch und die Tenorhörner von Bruno Kilb, Stefan Stahl und Thomas Fricke verzauberten. Von Balkanreitern, die sich im Morgengrauen versammelten, Reit- und Kampfspiele austrugen und beim Csardas ausgelassen feierten, erzählten die "Balkan-Impressionen" von Elmar Neulinger. Eine Klasse für sich war das Glenn-Miller-Ensemble der Musikkapelle Bieringen. "Pennsylvania 6-5000" brachte Swing in die Jagsttalhalle. Nicht nur damit präsentierten die Bieringer, wie vielfältig ihr Repertoire ist. Der Song von Whitney Houston "One Moment In Time" ließ dahin schmelzen. Begeisterten Applaus erntete die Gesangssolistin Alexandra Scholz. Deren Sopran bewegte sich auch auf klassischem Boden absolut sicher.

Mit der Habanera aus der Oper "Carmen" wurde der Liebe bunte Flügel verliehen. Nicht zuletzt mit "Tuba concerto espanol" wurde bewiesen, auf welch hohem Niveau in Bieringen blasmusikalisch gearbeitet wird.

Auch war das Solo für Tuba bei Stefan Fricke in besten Händen. "Ein Denkmal für die Blasmusik" setzte die Musikkapelle mit der gleichnamigen Polka von Michael Kuhn. Filmmusik aus "Gladiator" und "Ben Hur". Sowie die Polka "Ein mährischer Traum" erklatschte sich das begeisterte Publikum als Zugaben. Glückliche Gewinner gab es obendrein. Eintrittskarten zum großen Blasmusikabend im Mai und eine Fahrt mit dem Heißluftballon der Firma Ziehl-Abegg bescherte die Jubiläumsverlosung.